Ein Ausflug nach Ephebe

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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Feles Cum Libero » Mittwoch 11. Dezember 2013, 10:24

Eigentlich wollte ich etwas anderes schlaues (oder nicht so schlaues) schreiben, aber mir fehlt es gerade ein bisschen an Zeit und deswegen wird es kurz und etwas off-topic:

Zum Thema "Spiegelneuronen" möchte ich anmerken: Vorsicht bei der Argumentation mit den Dingern! Sie werden gerne als Begründung für alle möglichen Verhaltensweisen hinzugezogen, dabei weiß man fast nichts über ihre Wirkung und Funktionsweise, obwohl schon ca. zwanzig Jahre daran geforscht wird. Um aus dem "Lexikon des Unwissens" von Kathrin Passig und Aleks Scholz zu zitieren*:
Derzeit sind [die Spiegelneuronen] die eierlegende Wollmilchsau der Neuroforschung, weil man fast alles mit ihnen in Verbindung bringen kann.

Das ist zwar nicht besonders wissenschaftlich, aber sehr treffend ausgedrückt.


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* Dieses Buch empfehle ich übrigens unumwunden weiter.
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MrSchleppel » Mittwoch 11. Dezember 2013, 10:29

Ja allerdings habe ich erst vor ein paar Wochen einen Artikel zu denen im Spektrum gelesen. Dort steht (genau wie du sagst) drin, dass niemand irgendwas genaues weiß, aber es wird in Fachkreisen allgemein akzeptiert, dass sie zur Empathiefähigkeit benötigt werden (gute Güte mein Deutsch wird ja immer besser :| ).
Deswegen hab ich die hier mal reingeschmissen. Ich mein ich postuliere ja nicht, dass die eine gewisse Verhaltensweise auslösen. :D
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Anjali » Mittwoch 11. Dezember 2013, 10:32

Mh... eigentlich hab ich grad einen Beitrag geschrieben, aber der wurde nich gesendet... also nochmal:

@ Ponder: Jap, das stimmt, wenn man davon ausgeht, dass der von mir beschriebene Prozess jedesmal so von Statten gehen muss. Ich meinte aber vielmehr, dass das der Prozess ist, der in uns moralisches Denken und Empfinden prägt. Als Kind erfährt fast jeder das Gefühl, schlecht behandlet worden zu sein: Von den Eltern wird was verboten, von den Geschwistern oder Klassenkameraden wird man geärgert... Viele Eltern vermitteln Sozialkompetenzen (um Schleppels Begriffstrennung einzubeziehen) genau durch diesen Schluss: Dir würde das doch auch wehtun, also hau deine Schwester nicht mehr. Wir gewöhnen uns also daran, intuitiv die Opferrolle einzunehmen und daran die Taten zu messen.
Für Mord bedeutet das: Ich will nicht das Opfer von Mord sein, also ist Mord schlecht.

Übrigens würde das auch erklären, warum manche Menschen irgendwie immun gegen moralische Appelle sind. Denen fällt es oft schwer, sich in die Opferrolle reinzuversetzen, weil sie das bisher nicht so erfahren haben. Anders ausgedrückt: Wer auf das Recht des Stärkeren pocht, kann sich nicht vorstellen, der Schwächere zu sein.

So, hoffe, das steht jetzt nicht zweimal hier. :D
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MadButcher » Mittwoch 11. Dezember 2013, 10:59

Berichtige mich wenn ich falsch liege, Anjali, aber reduzierst du Moral gerade auf "Das was du nicht willst das man dir antu, das füg auch niemand anderem zu."? Sag das mal nem Diktator. Oder nem Scharfrichter.."
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Feles Cum Libero » Mittwoch 11. Dezember 2013, 11:17

@MrSchleppel: Ich wollte ja auch nur Ausdrücken, das Spiegelneuronen mit Vorsicht zu genießen sind. Und in punkto der allgemeinen Akzeptanz in Fachkreisen wäre ich ebenfalls vorsichtig: Es gibt einige Wissenschaftler, die es als keineswegs erwiesen ansehen, dass Spiegelneuronen überhaupt an der Entstehung von Empathie beteiligt sind. Das heißt jetzt nicht, dass ich deren Meinung vertrete. Ich möchte nur darauf hinweisen, das in punkto Spiegelneuronen bisher keine Gewissheit herrscht, auch wenn die Öffentlichkeit das vielleicht anders wahrnimmt.

Aber um auch etwas zum Thema zu schreiben:
Neben der Frage "Was ist Moral?" stellt sich doch auch die Frage "Was bedeutet emotional und was bedeutet rational?" Wenn man eine Regel befolgt, weil man sie für "richtig" hält, so erscheint das emotional. Wenn man sich aber früher über die Regel Gedanken gemacht hat und zu dem Schluss kam, dass sie sinnvoll ist, ist dann das automatische Befolgen der Regel in der Zukunft auch emotional zu sehen? Oder wenn man eine Regel befolgt, weil man sich vor ansonsten drohenden Repressionen fürchtet, ist das einfach nur emotional oder steckt da die Ration (mit) dahinter? Und was ist bei einfachem (blindem) Gehorsam?

Neben gelernten Regeln scheint es ja auch solche zu geben, die wir von Anfang an besitzen oder die - sofern keine Störungen auftreten - zu unserer natürlichen Entwicklung gehören. Es gibt beispielsweise Hinweise darauf, dass der Mensch von Natur aus eine gewisse Tötungshemmung seinen Mitmenschen gegenüber besitzt. Experimente mit Kleinkinder deuten darauf hin, dass sich das Gerechtigkeitsempfinden vor dem rationalen Denken entwickelt, ähnliches gilt für die Empathie. Solche Regeln würden wir instinktiv befolgen, sie wären demnach eher emotional motiviert. Wenn sie aber verlernt werden und dann bewusst neu gelernt werden müssen, ist das Befolgen dieser Regel immer noch als emotional anzusehen?
Zuletzt geändert von Feles Cum Libero am Mittwoch 11. Dezember 2013, 12:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MrSchleppel » Mittwoch 11. Dezember 2013, 11:20

Recht hast du ;)
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Feles Cum Libero » Mittwoch 11. Dezember 2013, 11:26

MadButcher hat geschrieben:Berichtige mich wenn ich falsch liege, Anjali, aber reduzierst du Moral gerade auf "Das was du nicht willst das man dir antu, das füg auch niemand anderem zu."? Sag das mal nem Diktator. Oder nem Scharfrichter.."

Die Goldene Regel zieht sich durch viele Kulturkreise und wird sogar als etwas wie eine ethische Grundkonstante angesehen. Insofern findest du sie als Basis vieler moralischen Regelsysteme. Probleme ergeben sich mit dieser Regel dann, wenn jemand seine Mitmenschen nicht mehr als solche ansieht, sondern als etwas untergeordnetes. Wenn man den "anderen" gar nicht als jemanden wahrnimmt, auf den die Regel zutrifft, dann spielt sie auch keine Rolle bei der Interaktion mit diesem "anderen".
Zuletzt geändert von Feles Cum Libero am Mittwoch 11. Dezember 2013, 11:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MadButcher » Mittwoch 11. Dezember 2013, 11:27

Da denk ich wieder kommen auch Extremsituationen zu tragen. Was nützt Moral wenn man gezwungen wird sich zu wehren? Wenn dein Mitmensch dich unterdrückt und eben nicht der goldenen Regel folgt? Da nutzen dir deine eigenen Moralvorstellungen dann auch nicht viel. Da gilt dann er oder ich. Hoffentlich mit dem Vorsatz nach brechen der eigenen Moralvorstellung es anschließend besser zu machen, also die eigene Moral wieder herzustellen.
Dann gibts noch son paar Religionsfanatiker die ihre eigene Moral haben weil sie ihrem Gott gefallen wollen...
Dann gibts noch die die nach dem Motto leben "Viel Feind viel Ehr. Sie haben Respekt vor ihrem Gegner und wollen ihm vielleicht sogar ein Platz in Walhalla sichern weil er sich so toll gewehrt hat und nicht davongerannt ist...
Es gibt also auch durchaus völlig verdrehte Moralvorstellungen.
Erlischt eigentlich Moral wenn man ohne drüber nachzudenken aus Gewohnheit handelt? Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier.
Zuletzt geändert von MadButcher am Mittwoch 11. Dezember 2013, 12:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MrSchleppel » Mittwoch 11. Dezember 2013, 11:54

Meinst du jetzt, dass wenn du immer amoralisch handelst deine Moral erlischt?
Ich denke das "Erlöschen" hat schon vor längerer Zeit stattgefunden, sonst wäre die Handlung ja nicht zur Gewohnheit geworden. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die Frage nicht genau versteh.
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MadButcher » Mittwoch 11. Dezember 2013, 12:07

Nunja, du kannst handeln weil es deinen Moralvorstellungen entspricht oder du kannst handeln "Weil man das schon immer so gemacht hat" ob jetzt im guten wie im schlechten, sei dahingestellt. Derjenige macht sich schlicht keine Gedanken (mehr) ob das jetzt moralisch vertretbar ist oder nicht. Anders Beispiel: Wenn jemand auf Befehl handelt, hat er dann keine Moral?
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Anjali » Mittwoch 11. Dezember 2013, 12:23

@ Mad: Ich habe behauptet, dass die Goldene Regel die Grundlage der Moral bildet, ich habe sie nicht darauf beschränkt. ;)

Sprich: Alles beginnt mit dem von mir beschriebenen Prozess und wird dann viel viel komplizierter. Außerdem hab ich ja auch angegeben, dass der Prozess erklärt, warum manche Menschen ein Problem mit der Goldenen Regel haben.

Ansonstens: Klar, Moral ist vielschichtig und rellativ. :)
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MrSchleppel » Mittwoch 11. Dezember 2013, 12:34

MadButcher hat geschrieben:Nunja, du kannst handeln weil es deinen Moralvorstellungen entspricht oder du kannst handeln "Weil man das schon immer so gemacht hat" ob jetzt im guten wie im schlechten, sei dahingestellt. Derjenige macht sich schlicht keine Gedanken (mehr) ob das jetzt moralisch vertretbar ist oder nicht. Anders Beispiel: Wenn jemand auf Befehl handelt, hat er dann keine Moral?


Ja aber wenn man es immer schon so gemacht hat, spielt die Moral als solches eine weniger große Rolle. Immerhin hast du schon n mal etwas entgegen deine moralischen Prinzipien gemacht. Warum soll jetzt auf einmal die Moral erlöschen?
Wenn jemand auf Befehl handelt, so unterwirft er sich (wie der Begriff schon nahelegt) der Befehlsgewalt eines anderen. Als Soldat stellen sich aber dann auch die Fragen:
1. Warum bekomme ich den Befehl? (Notwendiges Übel?)
2. Was passiert, wenn ich dem Befehl nicht nachkomme?
3. Habe ich nicht einen Eid geleistet, muss ich dem Befehl als Soldat nicht nachkommen, egal ob ich das jetzt gut oder nicht gut finde?
4. Deckt sich der Befehl mit geltenden Gesetzen?

Ich denke, dass ein Soldat hier ein eher schlechtes Beispiel ist, da er nicht nur sich selbst unterworfen ist.

Ich muss mich entschuldigen, wenn meine Ausführungen leicht wirr klingen. Ich hatte nur 4 Stunden Schlaf und bin daher mental leicht beeinträchtigt :D
Ich hoffe du verstehst, was ich eigentlich will
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Feles Cum Libero » Mittwoch 11. Dezember 2013, 12:53

MadButcher hat geschrieben:Da denk ich wieder kommen auch Extremsituationen zu tragen. Was nützt Moral wenn man gezwungen wird sich zu wehren? Wenn dein Mitmensch dich unterdrückt und eben nicht der goldenen Regel folgt? Da nutzen dir deine eigenen Moralvorstellungen dann auch nicht viel. Da gilt dann er oder ich. Hoffentlich mit dem Vorsatz nach brechen der eigenen Moralvorstellung es anschließend besser zu machen, also die eigene Moral wieder herzustellen.

Ich habe nicht geschrieben, dass die Goldene Regel immer anwendbar oder gar unproblematisch ist (s. sowohl o. als auch u.), sondern, dass sie die Basis vieler moralischer Regelsysteme bildet, ähnlich wie es Anjali auch geschrieben hat. Angesichts von Extremsituationen kommt auch die Frage auf, ob man die jeweilige Moral immer und jederzeit befolgen muss oder ob es sich dabei eher um eine Grundhaltung handelt, die man nach Möglichkeit befolgt. Das führt wieder zu der Frage "Was ist Moral?".

MadButcher hat geschrieben:Dann gibts noch die die nach dem Motto leben "Viel Feind viel Ehr. Sie haben Respekt vor ihrem Gegner und wollen ihm vielleicht sogar ein Platz in Walhalla sichern weil er sich so toll gewehrt hat und nicht davongerannt ist...

Diese Situation widerspricht nicht unbedingt der Goldenen Regel. Wenn ich es für in Ordnung halten würde, wenn mir mein Gegner das gleiche antäte, dann kann ich ja genau das mit ihm machen. Ideal wäre es halt, wenn der Gegner das auch so sieht...
Das ist eben noch ein Problem mit der Goldenen Regel: Wenn es einem egal ist bzw. man alles akzeptieren würde, was andere mit einem selbst anstellen könnten, kann man umgekehrt alles mit den anderen machen. Unabhängig davon, was die davon halten. Die Goldene Regel blendet die Perspektive des Gegenübers aus.

Mir fällt da gerade noch so ein Grundsatz ein: "Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen anfängt."
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MadButcher » Mittwoch 11. Dezember 2013, 13:04

ääähm... *hust*
[zitat]Ich muss mich entschuldigen, wenn meine Ausführungen leicht wirr klingen. Ich hatte nur 4 Stunden Schlaf und bin daher mental leicht beeinträchtigt :D
Ich hoffe du verstehst, was ich eigentlich will [/zitat]
GENAU DAS wollt ich grad DIR schreiben :lol:
Aber ich glaube du hast verstanden worauf ich hinauswollte.

Gnoll: Ich weiß du hast zuviel erlebt und den Glauben an die Menschheit ein bisschen verloren. Homo homini lupus und so. Aber die hier sind noch jung, also, lass ihnen den glauben dass Moral nicht nur graue Theorie ist. Du weißt doch, die Hoffnung stirbt zuletzt... Und hey - wenn wir unter uns sind funktioniert doch das ganz gut, oder? Oder bin ich etwa zu gutgläubig was uns Irre angeht!?

Und nochmal zur goldenen Regel: Man kann auch jemanden als Mitmenschen sehen, und trotzdem diese Regel brechen. Z.b. um ihn zu bestrafen weil dieser eine schändliche Tat begangen hat. Oder weil mans gut meint ohne zu hinterfragen ob der andere das überhaupt will. Wenn ein Krieger mit der Waffe in der Hand sterben will weil das für ihn das höchste Endziel ist, fragt er nicht ob sein Gegner auch das wollte... Deshalb ist er aber noch lang nicht amoralisch.
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MadButcher » Mittwoch 11. Dezember 2013, 13:09

Ok, jetzt hat sich bei mir einwenig die Reihenfolge der Posts verschoben :?
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Anjali » Donnerstag 12. Dezember 2013, 08:43

Die Goldene Regel ist eben auch beschränkt. Ich denke, sie ist ein ganz guter Leitfaden für den einzelnen Menschen in seinem normalen Alltag: Wie will ich mich meiner Familie, meinen Freunden, meinen Kollegen gegenüber verhalten? Schwierig wird es, wenn wir die Goldene Regel auf Extremsituationen oder auf Menschengruppen anwenden wollen. Es ist da zwar möglich, aber auch nur, wenn man alles ziemlich kompliziert macht.

Allerdings gibt es ein traditionelles Argument für die "Alltagsmoral": In seinem engeren Kreis braucht jeder Mensch Moral, weil er nur so mit anderen Menschen zusammenleben oder arbeiten kann. Auch eine Räuberbande, die ja offensichtlich gegen die Goldene Regel handelt, muss sich untereinander um Recht und Ordnung bemühen. Sonst würde sie nicht funktionieren - sie ließe sich nicht organisieren und sie wären die meiste Zeit damit beschäftigt, sich selber die Köpfe einzuhauen. Gibt sogar reale Beispiele dafür: Ausgerechnet die Piraten der Karibik hatten für ihre Zeit vielleicht das am besten ausgebaute Sozialsystem mit Wahlrecht, Krankenversicherung etc.

Es ist vielleicht nicht immer die Goldene Regel, aber früher oder später versuchen die Menschen ihr Zusammenleben immer so zu organisieren, dass es möglichst wenig Konfliktpotential gibt.
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Feles Cum Libero » Donnerstag 12. Dezember 2013, 11:15

Jepp, die Goldene Regel regelt das Zusammenleben von Individuen. Ich würde sogar behaupten, dass sie innerhalb einer Gruppe, deren Mitglieder ähnliche Wünsche und Bedürfnisse haben, gut funktioniert.
Von Extremsituationen redet die Goldene Regel in meiner Augen gar nicht, oder höchstens nur sehr eingeschränkt.

Aber Moral im Allgemeinen ist in Extremsituationen nicht einfach anzuwenden. Dabei spielt es auch eine Rolle, ob es sich um eine akute Extremsituation handelt, z.B. einen tätlichen Angriff, oder um eine länger anhaltende, wie z.B. hungern zu müssen (womit wir wieder beim Zitat von Brecht wären ;)). Beim tätlichen Angriff wird man eher instinktiv handeln und daher wird da auch eher eine instinktive "Moral" greifen, die dafür sorgt, dass man den Gegner versucht abzuwehren und außer Gefecht zu setzten, statt gleich daran zu gehen, ihn tot zu prügeln. In der Hunger-Situation hat man dagegen mehr Zeit, über sein Handeln nachzudenken.
Dann spielt es auch noch eine Rolle, ob diese Situationen auf einzelne Individuen beschränkt ist oder sich auf eine größere Gruppe erstreckt. Beispielsweise mag es moralisch eher vertretbar sein, vom Nachbarn Nahrungsmittel zu klauen, wenn man selbst am verhungern und er nicht in Not ist. Wenn aber der Nachbar auch kaum etwas zu Essen hat, weil in der Region eine Hungersnot herrscht, und man ihm seine letzten Vorräte wegnimmt, sieht das anders aus*.
Und dann gibt es noch die "abstraktere" Perspektive von Menschen in Führungspositionen. Als Staatsoberhaupt eines von Hunger geplagten Landes stellt sich z.B. die Frage, ob ich versuche, alle verbliebenen Nahrungsmittel gleichmäßig an alle Leute zu verteilen, oder ob ich Hilfskräften mehr zuteile, damit diese eher einsatzfähig bleiben und anderen bessern helfen können.

Moral ist eben in der Tat schwierig, vielschichtig und relativ.

Das beantwortet aber immer noch nicht die Frage, ob unser moralisches Handeln eher emotional oder rational motiviert ist. ;)


---------------
* Dabei kommt es aber darauf an, wie die persönliche Moral aussieht. Auch das Motto "Ich darf alles tun, was zu meinem eigenen Vorteil gereicht" könnte als moralische Position angesehen werden, selbst wenn diese Form von Moral vielen Leuten eher verdreht erscheinen dürfte.
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Anjali » Donnerstag 12. Dezember 2013, 14:11

Jop, Feles hast das grad gut zusammengefasst. Eine kleine weitere Relativierung:

Wenn wir über Moral sprechen, greifen viele automatisch auf für sie bestehende moralische Systeme zurück. Rein theoretisch, ist Moral ja aber nicht mehr, als der Wunsch, gut zu handeln. Was genau das bedeutet, ist dann eine Frage der Interpretation. Wie Feles schon sagte, kann da auch "Ich tue, was ich will, denn das ist gut für mich." drunterfallen.
Dann gibt es eben auch die jahrhunderte alten Diskussionen darum, ob Moral das ist, was ich möchte, oder das, was ich tue. Also genau der Diskurs, den Gnoll angefangen hat. In seinen Beispielen wird klar, wo die Vorstellungen, dass Moral nur das ist, was ich möchte, anfängt brüchig zu werden. Es gibt aber auch da ein Gegenargument: Wenn ich etwas tue, was gut sein soll und ich in dem Moment nicht sehe, dass es schlechte Folgen hat, bin ich dann ein schlechter Mensch? Wenn ich zum Beispiel ein Tier schlage, weil ich denke, es könne nicht leiden, obwohl ich eigentlich, kein Leid verursachen möchte. Ok, ist vielleicht erstmal ein schlechtes Beispiel, aber früher dachten noch viele Leute so von Tieren.
Und ganz wichtig: Wenn man über Moral diskutiert, ist es immer hilfreich, sich bewusst zu sein, ob man jetzt darüber reden möchte, was dieses Phänomen des menschlichen Lebens ist und wie es Zustande kommt, oder ob man darüber reden möchte, was man gut oder schlecht finden. Anfangen sollte die Diskussion hier im Sinne der ersten Einstellung ablaufen und rutschte immer wieder in die zweite. :D Wenn Gnoll zum Beispiel die korrumpierende Macht anbringt: Philosophen wie Hobbes und Macciavelli waren durchaus nicht der Meinung, dass Machtmissbrauch der Regierenden zu tadeln wäre, bzw. dass es sowas überhaupt gibt. (Achtung, Polemik! ;)) Was die Leute für falsch und richtig, gut und böse halten, ist also soooo rellativ, dass man damit nicht wirklich weit kommt, um die Grundzüge der Moral im Allgemeinen zu ergründen.

Ist also alles nicht so einfach. :D
Wenn ihr möchtet, kann ich ein paar Diskussionregeln einführen, bzw. die Diskussion etwas ordnen (zum Beispiel mit Zwischenfazits oder Fragen, die zurück zum Hauptstrang führen oder dergleichen) damit wir am Strang der eigentlichen Frage bleiben und quasi geordnet diskutieren. Das hilft manchmal, um nicht vom 100. ins 1.000. zu kommen. Ich persönliche finde allerdings auch unser derzeitiges Sammelsurium sehr schön, weil jeder sagen kann, was ihm einfällt und jeder das aufgreifen, worauf er was zu sagen hat. Das ist ersten natürlicher und zweitens auch entspannter. Schließlich sind wir ja nicht hier, um endlich die großen Fragen der Welt zu lösen.
Sagt mir einfach was ihr gern hättet! :)

P.S. Wie im Tagebuch angekündigt, werde ich das Wochenende über allerdings nicht da sein. Bis dahin kann hier so oder so fröhliche fruchtbare Anarchie herrschen. :)
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Feles Cum Libero » Donnerstag 12. Dezember 2013, 16:06

Ich fände es ja spannender, darüber zu diskutieren, was Moral ist, als über was gut und was schlecht gefunden wird zu sinnieren. Weiß aber nicht, ob man das meinen Posts anmerkt. Aber einfach zu schauen, wohin uns dieser Thread (noch) führt, hat auch was.

Davon abgesehen: Jaaaa! Anarchie! *wie-auch-immer-geartete Moral über Bord werf* :mrgreen:
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon TheLibrarian » Donnerstag 12. Dezember 2013, 16:52

Das wäre dann aber eher Anomie, Feles. :D
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MadButcher » Donnerstag 12. Dezember 2013, 18:11

Demnach müßt ich dir jetzt mein Fleischerbeil an Kopf schmeissen und "Scheiß Klugscheißer!" brüllen. Ok. Wieder was gelernt. (als ob das nicht ohnehin öfter vorkommt :mrgreen: )
Anarchie ist demnach, wenn Tod nicht mitliest.

Was ist Moral...?
Nur denken oder auch handeln, damit es jemandem zum Vorteil gereicht?
Wem überhaupt?
Nur mir selbst?
Nur meinem Gott?
Nur den Gesetzen, die gerade gültig sind?
Nur meiner Gruppe?
Nur meines Volkes?
Der Menschheit?
Allen Lebewesen?
Der Umwelt?
Der kompletten Scheibenwelt samt Groß A'Tuins Flossen und allem was dazugehört?
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Tod » Freitag 13. Dezember 2013, 09:15

MadButcher hat geschrieben:Anarchie ist demnach, wenn Tod nicht mitliest.

Der Tod liest jeden Beitrag im Forum, er Antwortet nur nicht auf jeden ;)
Don't panic!
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon MrSchleppel » Freitag 13. Dezember 2013, 09:39

Und dann soll mal jemand sagen, dass Tod nicht omnipräsent ist. :)
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Feles Cum Libero » Freitag 13. Dezember 2013, 10:59

@Libbo: Och, menno. *Moral wieder an Bord hol* :roll:
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Re: Ein Ausflug nach Ephebe

Beitragvon Anjali » Dienstag 17. Dezember 2013, 11:52

So, jetzt bin ich wieder da und kann auch wieder hier rumhüpfen....

Ja, also dann machen wir weiter wie bisher und diskutieren fröhlich drauf los. Ich persönlich ticke da eher wie Feles: Ich finde das interessanter, darüber nachzudenken, warum wir überhaupt sowa wie Moral haben, als darüber, was jetzt gut und was schlecht ist.

Hänge gerade bei meiner Hausarbeit an einem Punkt, den ich zugegebener Maßen nicht das erstmal reinwerfe... :oops: : Ich bearbeite zwei Texte. Der eine sagt, wir fühlen, bevor wir denken und darum ist Moral etwas emotionales. Der andere führt Moral auf einen Vernunftakt zurück, weil wir erst vertsehen müssen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, bevor wir moralisch denken/fühlen/handeln.
Beides wurde schon angesprochen und wir hatten hier auch oft den Punkt, dass vieles an der Moral dem Menschen intuitiv gegeben ist. Durch Erziehung, durch angeborene Verhaltensmuster, durch psychologische Prozesse. Auch haben wir schon gesagt, dass Moral sicherlich eine Mischung aus Emotio und Ratio ist, weil wir z.B. etwas empfinden und es dann versuchen zu verstehen. Trotzdem hänge ich an dem Punkt irgendwie immernoch... ich weiß immernoch nicht, was ich dazu eigentlich sagen soll. Auf der einen Seite denke ich auch, dass der Mensch, bevor er denkt, zuallererst fühlt und dass wir darum den Menschen nie verstehen werden, wenn wir ihn als rein rationales Wesen sehen. Auf der anderen Seite findet man es ja oft, dass manchen Menschen bewusster ist, was ihr Verhalten auslöst, als anderen. Demnach würde es am Ende darauf ankommen, schlau zu sein, damit man moralisch sein kann... das gefällt mir irgendwie nicht, weil es ja auf Elitarismus hinauslaufen würde. (Wir sind schlau, darum dürfen wir euch sagen, wie ihr euch verhalten sollt... :()
Oder ist das dann eher eine Frage der Empathie? Whaaaa!!! Argumentenchaos in meinem Kopf! :shock:

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