Übersetzungsvergleich

Hier findest du Hilfe, wenn du an Referate, Hausarbeiten oder ähnlichen Dingen schreibst.

Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Donnerstag 23. Februar 2017, 21:16

Hi Lina,
ich antworte dir in den nächsten Tagen, weil ich wegen einer Augen-OP derzeit nicht lang am Computer sitzen darf.
Und ja, die Bücher habe ich so auseinander genommen, wie du es schreibst.
Der Librarian hat recht. Such nach einer englischen Redewendung mit Nase.
Gerald Jung hat das perfekt übertragen.
Du kannst mich auch per Mail kontaktieren.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Lina Ogg » Mittwoch 14. Juni 2017, 07:47

Eule, ein riesengroßes, herzliches Dankeschön an dich für die viele Arbeit mit den Übersetzungsanmerkungen. Das hat mir bisher unheimlich geholfen, vor allem wenn ich Stellen, die mir auch aufgefallen waren, wiederfinden wollte, aber auch ein paar Stellen, die mir nicht aufgefallen waren. (Wobei ich mich mit Beispielen echt bremsen muss, es gibt immer so unheimlich viele, die man besprechen könnte.) Ich hoffe, deinen Augen geht es inzwischen besser und du hattest Recht, die Stelle mit der Nase ist wirklich gut gelungen. :)
Mit meiner Masterarbeit komme ich ganz gut voran, nicht so schnell wie ich gerne hätte, aber es wird und hat alles bisher Hand und Fuß :)
Jetzt brauche ich nochmal kurz eure Hilfe, vielleicht weiß ja zufällig jemand was: In einem Artikel über die Übersetzung ins Tschechische wurde ein Interview mit dem entsprechenden Übersetzer zitiert, den Pratchett wohl in einem Gespräch ermutigt hat, eigene Witze einzubauen. Ich kann kein Tschechisch und das zitierte Interview ist auch nicht mehr online, daher die Frage an euch: wisst ihr zufällig, ob Pratchett irgendwo sowas ähnliches schonmal gesagt hat? (sorry, ich hoffe, das ist jetzt nicht zu speziell. Falls euch spontan nichts einfällt, macht euch nicht auf lange Suchen ;) )
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Ponder » Mittwoch 14. Juni 2017, 09:01

Ich weiß, dass Pratchett sich mal zur spanischen (?) Übersetzung im Companion geäußert hat und erwähnte, dass manche Übersetzungen schwer zu realisieren wären, es einige Übersetzer aber wohl ganz gut machen (hab gerade die Stelle nicht parat und das ist aus dem Gedächtnis gekramt, kann also abweichen von dem tatsächlichen Inhalt).

Bezüglich des tschechischen Übersetzers: Vielleicht findest du in diesem englischen Paper zur tschechischen Übersetzung von Jan Kantůrek etwas. Ansonsten kenne ich nur dieses Interview mit ihm, wo allerdings auch nichts zu einer gesonderten Ermutigung steht.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Donnerstag 15. Juni 2017, 18:16

Hallo Lina,

schön, dass dir die Anmerkungen weiterhelfen!
Ich sitze gerade über "Witches Abroad".
Falls dir die halbfertigen Anmerkungen dazu (bisher 26 Seiten) noch etwas nützen könnten, mail mir (Adresse siehe Anmerkungslisten), dann kann ich dir den aktuellen Zustand zuschicken.
Ich nehme aber an, dass du an diesem Buch ausführlich gearbeitet und womöglich mehr Stellen gefunden hast als ich. Grundsätzlich wäre ich an deiner Hilfe interessiert, wenn du dann deine Masterarbeit fertig hast.
Hier ein paar Beispiele aus der Liste:

She looked around the clearing. She had called upon Mister Safe Way, Lady Bon Anna, Ho-taloga Andrews and Stride Wide Man.
Terry Pratchett teilte dazu mit: “Ich brauchte ein paar gute Namen, die nach echten Voodoo-Namen klangen. Einer der klassischen Namen ist Carrefour. (Kalfu oder französisch Carrefour ist der kreolische Name einer Voodoo-Gottheit.) Es ist hier auch der Namen einer Supermarktkette. Und jedes Mal, wenn ich daran vorbei fuhr, musste ich grinsen. Daher nahm ich dann Safeway.” (Safeway ist eine britische Supermarktkette.) Die anderen Namen sind frei erfunden.“
Ross Mann ist eine schöne deutsche Version!
Bon Anna: In Good Omens ist Gros-Bon-Ange genannt, die Lebenskraft, die jedem seit Geburt innewohnt.

Nanny Ogg was more sympathetic but had a tendency to come out with what Magrat thought of as double-intenders, although in Nanny Ogg’s case they were generally single entendres and proud of it.
double-intenders = double entendre = Zweideutigkeiten (vom französischen entendre = hören)

‘Der flabberghast,’ muttered Nanny.
‘What’s that?’ said Magrat.
‘It’s foreign for bat.’
Das „der“ vor flabberghast weist darauf hin, dass das Wort deutsch sein soll. Bekanntlich ist das deutsche Wort aber „Fledermaus“. Flabberghast ist frei abgeleitet von „flabbergasted“ (entgeistert, äußerst verblüfft). „Die Flabbergast“ war ein Sketch von Dudley Moore in seiner Comedy-Show „Beyond th Fringe“. Siehe ggf.
http://www.youtube.com/watch?v=y9tb05DMlqg

‘Openny vous, gunga din, chop-chop, pretty damn quick,’
„Uwe, uwe, gunga din, chop-chop, aber dalli“, rief sie. (Übersetzung Rawlinson)
„Aufmac-vous, gunga din, zack zack, aber dalli!“

Direkt danach:
“Hey mister, jigajig toot sweet all same No. 3”
jigajig ist Pidgin-Slang für Geschlechtsverkehr, siehe ggf. en.wiktionary.org/wiki/jigajig

Magrat:
‘It doesn’t fly unless you run really fast,’ she explained, aware even as she spoke how stupid this sounded, especially if you were listening in a foreign language. ‘I think it’s called hump starting.’
Magrat verwechselt hump start mit jump start, was aber wiederum Fremdstart oder auch Frühstart bedeutet. Andererseits passt ihre Namenswahl; denn hump bedeutet auch Hindernis: also Hindernis-Start – oder Start mit Hindernissen.

Cwuissses dee Grenolly - Froschschenkel (französisch) = cuisse de grenouille
Crap suzette - So wie Nanny crêpes sucette ausspricht, klingt es für Oma wie „Scheißlutscher“; crap = Scheiße, Dreck, Kack ...; sucette (fr.) = Lutscher, Schnuller, Schlecker ...

‘More than a couple of hours on a stick and I’ve gone rigid in the dairy air.’
rigid in the dairy air = in the derriere (französisch hinten, aber auch Hintern);
dairy air = Milch(wirtschaft), air = Luft;

‘Although, it’s a funny thing, in some foreign parts “bum” means “tramp” and “tramp” means “hobo”. Funny things, words.’
Dass es mit den ausländischen Wörtern seltsam ist, weiß in Bayern jeder, zum Beispiel Englisch:
▪ Auge heißt eye
▪ Ei heißt egg.
▪ Eck heißt corner.
▪ Und koana heißt nobody


Meine Augen sind besser als vorher: zwei neue Linsen. :D
Viel Erfolg!
Eule
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Donnerstag 15. Juni 2017, 18:25

Nachtrag:
Ich suche gerade im Web nach diesem Interview (das mir nicht bekannt ist).
Hier finde ich etwas:
http://www.dzm.com/~zuzana/pics/misc-bus/mag/kanturek.pdf
Hier ist ein deutsches Interview mit Gerald Jung, das jedenfalls zu deinem Thema passen könnte:
http://www.pratchett-buecher.de/interview_neuuebersetzung.php
Ein bisschen was zu Translation steht hier:
http://misrule.com.au/wordpress/interviews/terry-pratchett-interview/
Das hier, eine Bachelorarbeit, könnte passen:
https://is.muni.cz/th/235384/pedf_b/Bachelor_Thesis_235384.txt
Darin wird auch Jan Kantůrek genannt (siehe oben)

Als Suchbegriff habe ich eingegeben:
Terry Pratchett interview czech translation
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Sonntag 18. Juni 2017, 18:46

Der Übersetzer müsste der Tscheche Jan Kantůrek sein. (Namen per Kopieren wörtlich übernehmen!)
Vielleicht kannst du seine Adresse im Web finden.
Er hat alle Bücher Pratchetts ins Tschechische übersetzt.
Er hat Terry Pratchett mehrfach getroffen.
Vielleicht ist das im letzten Eintrag genannte Interview das, was du suchst.
Evtl. könnte ich dir bei den tschechischen Wörtern weiterhelfen.
Ich habe Freunde in Tschechien, habe aber im Moment keine Mail-Adresse dazu.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Lina Ogg » Donnerstag 22. Juni 2017, 08:46

Wow ihr seid wirklich super :o

Eule, das ist wirklich lieb von dir, dass du mir mit Tschechisch helfen kannst. Aber das ganze wäre sowieso nur Stoff für maximal einen kleinen Absatz in meiner Arbeit, so im Sinne von: auch Pratchett selbst ermutigt seine Übersetzer, wo möglich Witze einzubauen. Wenn die Übersetzer also selber Witze erfinden (Brandhorst tut das an ein paar Stellen) oder Unübersetzbares durch eigene Kreationen ersetzen, dann handeln sie damit im Sinne Pratchetts. Das passt dann wieder zu meinem Theorieteil mit dem Loyalitätsprinzip (es gibt verschiedene Theorien zum Übersetzen, die eine Theorie, die ich verwende sagt: es kommt alles auf den Zweck an, zu dem die Übersetzung angefertigt wird, die andere Theorie sagt: nee, man muss schon auch dem Autor und seinen Intentionen treu bleiben).

Das englische Interview im vorletzten Link ist daher trotzdem hilfreich, weil sich Pratchett da zum (angeblichen) Zielpublikum am Anfang seiner Karriere äußert. Meine ganze Arbeit basiert darauf, dass für die Neuübersetzung ein anderes Zielpublikum angesprochen werden sollte und man die Romane nicht mehr "nur" als Fantasy vermarkten will, sondern als ernsthafte, philosophische Werke, als Spiegel unserer Gesellschaft usw. und ob und wie sich das in der Neuübersetzung zeigt. Also dass Rawlinson zB. sorgfältiger übersetzt hat, ein höheres sprachliches Register wählt, anspruchsvoller schreibt (mehr Idiomatik, besser ausgearbeitete Metaphern etc) Und dann natürlich einige generelle Übersetzungsprobleme, wie die vielen, vielen Anspielungen und Wortspiele, die obligatorische Sache mit der Anrede...

Mein Zwischeneindruck ist übrigens, dass die Brandhorst-Übersetzung nicht schlecht ist, aber die Rawlinson-Übersetzung doch nochmal ausgereifter. Es geht aber auch eigentlich gar nicht darum, was besser oder schlechter ist, sondern wie verschiedene Dinge umgesetzt wurden. Aber ich gehe jetzt grade erst vom sprachlich formellen Teil in den "kann man denn aufgrund der unterschiedlichen Übersetzungen etwas verschieden Deuten"-Teil über.

Ich bearbeite übrigens Reaper Man, kann dir also mit Witches Abroad leider nicht weiterhelfen, Eule. (sehr schön übrigens die Wortreihe von Auge bis Nobody :lol: ) Aber wenn ich dann irgendwann mit der Arbeit fertig bin, kann ich gerne mal meine Anmerkungen zu den Übersetzungen und einige signifikante Unterschiede in den beiden Übersetzungen an dich weiterleiten. Oder ein eigenes Dokument aufmachen, mal sehen, was dann mehr Sinn macht.
So als Nebenbemerkung bekomme ich übrigens auch den Eindruck, dass Pratchett einer der Autoren ist, bei dem man noch viel mehr hineindeuten kann, als er selbst beabsichtigt hatte. Und ich wundere mich jetzt noch mehr als früher, warum sich kaum ein Literaturwissenschaftler dafür interessiert, aber meine Theorie ist ja sowieso, dass etwas wissenschaftlich nicht ernst genommen wird, wenn es Spaß macht. Aber ich schweife ab und nehme mir jetzt mal lieber die Umsetzung von verschiedenen Sprechweisen und Verortung von Dialekten vor (ein kleines Kapitel, das schaffe ich selbst bei dieser schwülen Hitze)
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