Meinungen zu "The Shepherd's Crown"

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Re: Meinungen zu "The Shepherd's Crown"

Beitragvon Feles Cum Libero » Dienstag 8. März 2016, 12:02

@Eule: Was die Stelle in "Feet of Clay" angeht, gebe ich dir recht: Da wird die doppelte Verneinung im Original für einen Gag verwendet, der durch Brandhorsts Übersetzung ad absurdum geführt wurde. An der erwähnten Stelle in "The Shepherd's Crown" dagegen gibt es keinen Gag: Lord Swivel verwendet korrektes umgangssprachliches Englisch mit einer doppelten Verneinung, um seine Meinung nochmal zu betonen. Im Deutschen lässt sich dieser Effekt so nicht erzielen, da hier -- egal ob umgangssprachlich oder nicht -- aus einer doppelten Verneinung immer ein Positiv wird.
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Re: Meinungen zu "The Shepherd's Crown"

Beitragvon Eule » Donnerstag 10. März 2016, 06:58

@Feles: Was du sagst, stimmt.
Was Rawlinson schreibt: "Ausgeschlossen dass ..." trifft den Sinn der Aussage Lord Swivels perfekt.

Was ich sagen will, ist, dass Swivel sich umgangssprachlich, "schlampig" ausdrückt (siehe unten, letzter Satz).
Ähnlich wie im Deutschen steht die doppelte Verneinung im Englischen gewöhnlich für eine starke Bejahung.
Aber "colloquial" bedeutet sie auch oft eine starke Verneinung.
Bekanntestes Beispiel im Englischen ist:
"We don't need no education"

Auch im Deutschen - aber nur in der Umgangssprache bzw. dem Dialekt - gibt es diese doppelte Verneinung im Sinn einer (starken) Verneinung; da muss ich Tod widersprechen:
– Wann ihr kein Geld nicht habt;
– Nix Schönres nicht auf Erden;

In der deutschen Wikipedia findet sich dazu:
Die doppelte Verneinung findet in lyrischen Texten als Bekräftigung Verwendung:
So warm wie der Hans hat's niemand nicht (aus: Christian Morgenstern: Die drei Spatzen, siehe unten) ist zu lesen als: „So warm wie der Hans hat's wirklich niemand.“
Darüber hinaus sind Formen wie:
Das macht kein Mensch nicht.
Ich kenne niemand nicht.
heute im Hochdeutschen veraltet und werden nur noch zur besonderen Charakterisierung eines Sprechers in wörtlicher Rede verwendet.

[https://de.wikipedia.org/wiki/Doppelte_Verneinung#Doppelte_Verneinung_im_Hochdeutschen_als_Verneinung]
Beispiele in deutschen Dialekten, insbesondere dem bairischen, gibt es in großen Mengen.

Was Rawlinson schreibt, liest sich auf jeden Fall besser als meine "Übersetzung", macht das Ganze halt glatter.
Ich meine (Achtung, das ist keine sachliche oder sachlich richtige Aussage), dass Lord Swivel ein adeliger Bauerntrampel ist, dem insbesondere in seiner Wut diese umgangssprachliche Ausdrucksweise über die Lippen kommt. Aber das mag an meinem Vorurteil gegenüber den Herren von und zu, auf und davon liegen. :-)
Zuletzt geändert von Eule am Freitag 11. März 2016, 18:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Meinungen zu "The Shepherd's Crown"

Beitragvon Feles Cum Libero » Donnerstag 10. März 2016, 15:21

@Eule: Hm, dann muss ich meinen Mitmenschen mal genauer "aufs Maul schauen". Und mehr Morgenstern lesen. ;)
Wobei ich es schon witzig finde, dass ich aus einer Ecke Deutschlands komme, in der die doppelte Verneinung laut Wikipedia im Dialekt vorkommt, und ich mich nicht erinnern kann, das mal gehört zu haben.
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Re: Meinungen zu "The Shepherd's Crown"

Beitragvon Eule » Freitag 11. März 2016, 18:03

Hi Feles c. L.,
du wirst es sicher nur sehr selten hören, weil nur wenige Leute heute ihren Dialekt wirklich beherrschen.
Sendungen im TV wie "Dahoam is dahoam" überliefern zwar dialektbezogene Färbungen, aber keinen echten Dialekt.
Dialekt hat seine eigene Grammatik, was z. B. auch das Geschlecht der Wörter betrifft (z. B. der Butter) und eben auch die doppelte Verneinung.
Ich kann allerdings dazu nur aus dem Bairischen etwas sagen.
Eine Riesensammlung enthält z. B. das dreibändige (und sündteure) Werk
Alfred Anton Stadlbauer: "Ergänzte Anmerkungen, ein Supplement zu Georg Queri: Kraftbayrisch".
Es handelt sich um die Jahresgabe 2005-2007 der Johann-Andreas-Schmeller-Gesellschaft (siehe ggf. im Internet).
Hier eine "kleine" Auswahl an doppelten Verneinungen:
„Bairisch gilt das Gegenteil: Nein bleibt nein; wer zweimal nein sagt, meint damit nicht minder nein: I hob no nia nix gsagd. – Ich habe noch nie etwas gesagt.“
„Eahm paßt halt nia koa Platz“ bedeutet: ihm paßt eben nie ein (Arbeits-) Platz.
Im folgenden einige Beispiele:
– gar nia koa Ziel
– koa Richtiger nia
– Dir gib ih fei koan Kerl net ab
– nirgads koa
– ’s Deandl, wo koan Arsch net hat
– Vergundt khein mensch dem andern nichts
– der kimmt ninderscht zu koan
– Wann ihr kein Geld nicht habt
– Nix schönres nicht auf Erden
– Daß neamd nix siahgt
– überhaupts koa Geld net
– Ih setz aber koan koa Ziel
– Koans sagt nix"

Es gibt im Bairischen sogar die dreifache Verneinung, als weitere Verstärkung.
– „Ma hot nia nix Unrechts net g’hört
- Mia ham eahm no nia koa bäss Woad ned geem. = Wir haben ihm noch nie ein böses Wort gegeben.
- Wei koana koa Gaid need hod. = Weil keiner Geld hat.“

Und halte dich fest: Die gibt es auch bei Terry Pratchett:
In Good Omens ist Hastur, nachdem Crowley Ligur mit Weihwasser erledigt hat, so außer sich, dass er flucht:
„… Weihwasser! Du Bastard“, fluchte Hastur. „Du gottverdammter Scheißkerl. Kein einziges Mal hat er dir niemals nichts getan!“
Original: “. . . Holy water. You bastard,” said Hastur. “You complete bastard. He hadn’t never done nothing to you.”

ich habe sogar eine weitere solche Stelle gefunden, und zwar im Song "Horse with no Name" von America:
...
In the desert you can remember your name
'Cause there ain't no one for to give you no pain
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Re: Meinungen zu "The Shepherd's Crown"

Beitragvon Feles Cum Libero » Freitag 11. März 2016, 19:26

@Eule: Das kuriose an der Sache ist, dass mir diese Verwendung der doppelten Verneinung im Englischen sehr wohl vertraut ist, aber offensichtlich nicht in meiner Muttersprache.
Mittlerweile ist mir aber wieder eingefallen, dass meine Großmutter (gebürtige Schwäbin) öfter die Formulierung verwendet haben soll: "I han nie nix gsagt". Also "Ich habe nie nichts gesagt", im Sinne von "Ich habe absolut nichts gesagt". Da ich das aber nie selber von ihr gehört habe, habe ich das wohl vergessen.
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Re: Meinungen zu "The Shepherd's Crown"

Beitragvon Eule » Samstag 12. März 2016, 09:28

@Feles: Das kommt daher, dass das gedruckte/geschriebene Englische dem gesprochenen viel näher steht als das im Deutschen der Fall ist. Im Deutschen unterscheidet man ausgesprochen scharf zwischen Schrift- und Umgangssprache. Das macht es auch so schwer, in Übersetzungen umgangssprachlich zu formulieren: " ... 's is' halt so" oder "Hast 'es g'she'n?" --> "Hastes gsehn?" - um nur zwei Beispiele anzuführen. Die sind ganz einfach und schon in dieser Form schwer zu lesen.
Und mit Dialekt kann man (normalerweise) überhaupt nicht kommen. Dabei kommt Vieles erst im Dialekt 'rüber, was den Charakter einer Person ausmacht. Im Englischen ist das um Welten einfacher. Denk mal nur an "isn't". Sogar "ain't" wird gedruckt. Und das ist knallhart Umgangssprache bzw. schichtspezifischer Dialekt. Auf Fanpostern habe ich 1965 schon gelesen "We luv you".
Sergeant Shadwell in Good Omens ist ein Höhepunkt hinsichtlich der unterschiedlichen Sprechebenen. Er ist überall und nirgendwo zu Hause. Aber wie soll ein Übersetzer das im Deutschen machen? Die schichtspezifischen Unterschiede sind im Deutschen deutlich weniger ausgeprägt, hingegen gewaltig die regionalen, die Dialektunterschiede. (Ich hab's in meiner privaten Übersetzung versucht mit unterschiedlichen Dialekteinflüssen von Frankisch über Schwäbisch bis Sächsisch wiederzugeben).
Da wir in der Schule alle zu Hochdeutsch erzogen worden sind, fehlt den Meisten von uns ein feineres Gespür für Dialekt.
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Re: Meinungen zu "The Shepherd's Crown"

Beitragvon Bat » Montag 25. April 2016, 21:29

So, ich habe jetzt auch Shepherd's Crown gelesen. (auf englisch)
Ich fand es ok. Es fühlte sich für mich aber in einigen Teilen irgendwie unvollständig an. Irgendwie fand ich auch die Elfeninvasion, die eirgendwie recht lange aufgebaut wurde, zu schnell vorbei war. Auch das Ende der Elfenkönigin war so... antiklimatisch

Die Idee um Geoffrey fand ich gut, aber in der Art wie er vorkommt fand ich es entweder zu viel oder zu wenig. Entweder hätte er mehr Raum gebraucht, dann wär es aber kein Tiffany sondern ein Geoffrey-Roman geworden oder er hätte deutlich weniger Platz einnehmen dürfen, um eine "echte" Nebenfigur sein zu können.

Beim Lesen habe ich mehrmals gedacht, dass es die richtigen Themen für ein Abschiedsbuch aufgegriffen hat.

Zur Doppelten Verneinung: Eule, dein Beispiel aus Good Omens "Kein einziges Mal hat er dir niemals nichts getan!" ließ mich direkt an kleine Kinder denken, die Sprachregeln noch lernen. Die Kinder verwenden Verneinungen auch gerne möglichst gehäuft, um zu bekräftigen, dass sie wirklich nichts getan haben.
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