Erster Abschnitt: etwa bis Seite 14

Vergleichsleserunde Original, Übersetzung und Neuübersetzung vom Scheibenwelt-Roman Small Gods / Einfach göttlich.

Erster Abschnitt: etwa bis Seite 14

Beitragvon Tod » Donnerstag 1. November 2012, 14:03

Textstelle von "Man nehme die Schildkröte und den Adler. Die Schildkröte lebt auf dem Boden..." bis "...wenn sich weißer Schaum in Nhumrods Mundwinkeln bildete. Brutha hörte zu."
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Re: Erster Abschnitt: 1.11.2012

Beitragvon cheery_littlebottom » Donnerstag 1. November 2012, 18:52

Gut - gleich mal ein oeinliches Geständnis vorweg: als ich diese Woche mit der Lektüre anfangen wollte habe ich gemerkt, dass SG zu den Büchern gehört, die ich bis heute nur auf Deutsch habe. Hab mir daher schnell die englische Ausgabe bestellt, die muss aber erst noch kommen. Die ersten Seiten kann ich deshalb nur hier mitlesen und weise nicken, wenn ejmand etwas cleveres schreibt. Ich hoffe, ich darf dann aber noch voll einsteigen, wenn mein Buch da ist.
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Re: Erster Abschnitt: 1.11.2012

Beitragvon TheLibrarian » Donnerstag 1. November 2012, 19:59

Nuja - ich komme dafür im Moment nicht an meine AB-Ausgabe, kann also nur Original und Neuübersetzung vergleichen. ;) Hoffentlich zum nächsten Abschnitt dann voll dabei.
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Re: Erster Abschnitt: 1.11.2012

Beitragvon Tod » Donnerstag 1. November 2012, 20:38

Bisher finde ich, dass sich die AB-Übersetzung holpriger liest. Die Jung-Übersetzung ist von den Sätzen her eleganter und manchmal näher am Original. Beide Übersetzer weichen (verständlicherweise) vom Original ab. Aber AB hat sich da meiner Meinung nach zu viel Freiraum erlaubt, z.B. als er aus einigen Schlachten genau zwei gemacht hat oder aus Dollar gleich spezifisch den Ankh-Morpork Dollar. Ich finde es gut, dass sich Jung getraut hat "allerdienstälteste" zu schreiben. Was man so vermutlich nie machen würde und was gut zu Terrys Schreibstil passt, auch wenn er an dieser Stelle nichts dergleichen hatte.
Eine Stelle, die mir aufgefallen ist: Hub und Pole wurden bei AB mit Mitte und Mast übersetzt (bei Mast fasse ich mir zumindest an den Kopf) und bei Jung mit Nabe und Pol. Um Nabe beurteilen zu können, müsste ich jetzt natürlich wissen, ob Hub nun in der Neuübersetzung immer zu Nabe wird. Bisher war es ja bei weiteren Vorkommnissen immer die Mitte.
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Re: Erster Abschnitt: 1.11.2012

Beitragvon Tod » Donnerstag 1. November 2012, 21:00

Mir fällt auf, dass AB ab und zu mal einen Satz wegfallen lässt, beispielsweise den mit der Tonne Raketentreibstoff.
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Re: Erster Abschnitt: 1.11.2012

Beitragvon Mam Summ » Sonntag 4. November 2012, 12:07

Ich finde, dass sich beide deutschen Übersetzungen für sich betrachtet bisher flüssig lesen. Es fällt natürlich schon ein unterschiedlicher Stil auf, der aber in meinen Augen erst mal bei keiner Version stört.

Aufgefallen ist mir, dass AB bei unübersetzbaren oder einfach veränderten Gleichnissen eher „fantasy-”lastige oder neutrale Varianten nimmt, GJ eher moderne oder aus unserer Welt stammende. AB benutzt aber, wie Tod schon schrieb, überhaupt viel öfter eigene Versionen, wenn die von TP ebenso gut übersetzbar und im Deutschen sinnvoll wären. Da gefällt mir GJ deutlich besser, auch orientiert er sich eher am originalen Satzverlauf und -bau, wenn natürlich ebenfalls nicht bis ins letzte Komma.

Gestolpert bin ich bei AB nur so richtig über Nhumrods „...? Ähm?”!
Bei den TP ist das „...? Mmh?” und von GJ wirds eben nicht als irritierend oder fragend, sondern eher als ermutigend/auffordernd übertragen: „.., hm?” Das entspricht auf jeden Fall auch meiner Lesart.

Der „Mast” ist bei mir schon korrigiert (zum Pol), da ich nicht die erste AB-Ausgabe besitze. Die Mitte gefällt mir auch besser als Nabe, aber da muss man dann sehen, wie das weiterhin gemacht wird. In dem Moment ging noch beides.

Allgemein stimme ich aber Tod zu, dass AB deutlich freier übersetzt und weiter weggeht von Original, was mir persönlich nicht so gut gefällt. Manchmal trifft er damit auch nicht den Kern der Sache, beispielsweise lag Brutha nicht in „seiner Kammer”, sondern im (großen) Schlafsaal (mehrerer) Novizen, der dann später auch noch so genannt wird.
Oder bei:
TP hat geschrieben:When they made the rules, they´d never allowed for anything like Brutha.

AB hat geschrieben:An jemanden wie ihn hatte man nicht gedacht, als die Regeln gemacht worden waren.

GJ hat geschrieben:Damals, als die Regeln gemacht worden waren, hätte man so jemanden wie Brutha niemals zugelassen.


Dafür nutzt GJ manchmal umgangssprachliche Formulierungen, die für mich (scheibenweltbezogen) gewöhnungsbedürftig sind. Aber was Umgangssprache in Büchern angeht, bis ich sowieso etwas... sagen wir, eigen :D
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Re: Erster Abschnitt: 1.11.2012

Beitragvon Bat » Montag 5. November 2012, 21:29

Was mir bei AB besser als bei GJ gefällt ist, die Übertragung der Maßeinheiten ins metrische System.
Mit der Aussage "Die Bücher waren 3 Meter hoch" kann ich mehr Anfangen als mit "Die Bücher waren 10 Fuß hoch". Leider ist AB da, zumindest am Anfang,m beim der Schildkröten/Adler-Abschnitt inkonsequent. Er schreibt erst von "Distanz von einem Zoll" und dann von "einer Höhe von 200 Metern".
Das ist eine Übertragung, die ich durchaus für sinnvoll halte, da man mit vertrauten Maßen sich die Dimensionen eher vorstellen kann und selbst da verschwimmen Größenordnungen bei mir gedanklich im weiteren Verlauf der Geschichte. Anders wäre es, wenn TP eigene Maßeinheiten einführen würde. Die nicht zu übertragen würde Sinn machen.

Ansonsten gefällt mir bisher der Stil von GJ auch besser als der von AB. AB schreibt recht oft abgehakt und weniger flüssig. Nebensätze sind keine Schande... ;-)
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Re: Erster Abschnitt: 1.11.2012

Beitragvon Tod » Dienstag 6. November 2012, 06:05

Bat hat geschrieben:Er schreibt erst von "Distanz von einem Zoll" und dann von "einer Höhe von 200 Metern".

Das fand ich auch eine merkwürdige Mischung.
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Re: Erster Abschnitt: 1.11.2012

Beitragvon Tiffany Aching » Dienstag 6. November 2012, 13:31

So, ich kann vorerst nur Original und AB vergleichen, werde mir aber wohl GJ noch kaufen...

Ich finde im Original wird die Spannung besser aufgebaut, das liegt oft an Kleinigkeiten die AB nicht übersetzt. Das ist mir vor allem aufgefallen, weil ich zuerst AB und dann das Original gelesen habe. Als Beispiel dafür: Ganz am Anfang wird der Kontrast zwischen der langsamen, schwachen Schildkröte und dem schnellen, starken Adlers aufgebaut. Im Original heißt es im Absatz danach "And yet the eagle will sit for hours...". Ein solches "trotzdem" (oder sonst eine Übersetzung von "yet") fehlt bei AB. Der schnelle starke Adlers sitzt jetzt einfach erstmal stundenlang rum. Hm :/

Außerdem fehlen mir bei AB so schöne Sprachmuster, die man schon einfach (denke ich jedenfalls )hätte übersetzen können, z.B. "Everyone knows why the tortoise does this. [...] No one knows why the eagle does this." wird zu "Jeder kennt den Grund dafür [...] Kaum jemand weiß warum sich der Adler auf diese Weise verhält"

Eine Stelle wo ich beim Englisch lesen wirklich einen anderen Sinn mitgenommen hab als bei AB war diese:
AB hat geschrieben:Schauplatz der Geschichte ist eine Wüstenregion, in der umbrabraune und orangefarbene Töne vorherrschen. In Hinsicht auf Anfang und Ende lassen sich keine so klaren Aussagen treffen. Beschränken wir uns auf folgende Feststellung: Ein Anfang der fand oberhalb der Schneegrenze statt, viele tausend Kilometer entfernt.

This story takes place in desert lands, in shades of umber and orange. When it begins and ends is more problematical, but at least one of its beginnings took place above thw snowline, thousands of miles away

AB habe ich beim ersten Lesen so verstanden dass es um geografischen "Anfang und Ende" der Wüstenregion geht, das stattfinden des Anfangs im letzten Satz habe ich dann wohl schlicht überlesen und bin durch eine Ortangabe ("viele tausend Kilometer entfernt") dann auch dabei geblieben. "Anfang und Ende" sidn nun mal sowohl zeitlich als auch geografisch zu verstehen -- aber im Original ist es durch das "when" natürlich kein Problem zu wissen welches gemeint ist!

Tod hat geschrieben:Eine Stelle, die mir aufgefallen ist: Hub und Pole wurden bei AB mit Mitte und Mast übersetzt (bei Mast fasse ich mir zumindest an den Kopf) und bei Jung mit Nabe und Pol.

Ich habe von AB die "Einmalige Sonderausgabe 2009" und da wurde das wie bei Summse korrigiert, d.h. es ist von Mitte und Pol die Rede... Ich bin ja mal gespannt wie oft uns hier noch Unterschiede zwischen den verschiedenen Versionen von AB auffallen... "pole" mit "Mast" zu übersetzen ist mMn aber auch ein böser Übersetzungsfehler. "Nabe" für "hub" finde ich allerdings gerade auch ganz schön seltsam.

Dann habe ich noch ein neues "AU!" für die Fehlerliste gefunden:
"bound in lead" --> "in Leder gebunden"

Tod hat geschrieben:AB hat sich da meiner Meinung nach zu viel Freiraum erlaubt, z.B. als er aus einigen Schlachten genau zwei gemacht hat.
Das auf jeden Fall, ja. Im englisch ist auch so dass er diese Schlachten beobachten muss "had to" (es ist Teil seines Jobs oder so ähnlich kommt da bei mir an) und bei AB beobachtet er sie einfach (=er kommt halt zufällig vorbei?)

So viel erst mal von mir, zu weiteren Teil des aktuellen Abschnitts dann die nächsten Tage noch was, hoffentlich mit GJ auch noch im Vergleich :)
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Re: Erster Abschnitt: 1.11.2012

Beitragvon Tiffany Aching » Dienstag 20. November 2012, 23:24

So, jetzt habe ich auch GJ gelesen :)

An sich gefällt mir Geralds Übersetzung auf jeden Fall besser, wobei ich auch definitiv nicht zu der Liga der Brandhorst-Gewohnheits-Leser gehöre, da ich schon seit Jahren keinen Pratchett auf Deutsch mehr aangefasst habe (voll toll, jetzt habe ich endlich auch ein deutsches Pratchett Buch zu Hause um damit Leute ködern zu können)
Die einzige Sache die mich so im allgemeinen Übersetzungsstil von GJ manchmal etwas gestört hat, ist das, was Summse schon angesprochen hatte:
Mam Summ hat geschrieben:Dafür nutzt GJ manchmal umgangssprachliche Formulierungen, die für mich (scheibenweltbezogen) gewöhnungsbedürftig sind. Aber was Umgangssprache in Büchern angeht, bis ich sowieso etwas... sagen wir, eigen :D
an manchen Stellen hat mich das auch gestört und ich habe auch das Gefühl, dass dadurch die GJ Übersetzung länger ist als die von AB.

Wirklich "schlimm" irritierend fand ich beim Lesen von diesem Abschnitt bei GJ nur eine Stelle, und zwar als es um die geringen Götter geht "Eine Handvoll von ihnen ist jedoch zu Größerem berufen..." da werden bei den drei Beispiele die Sätze immer mit "Beispielsweise" begonnen, das fand ich so wiederholt im Lesefluss schon sehr irritierend.

An sehr vielen Stellen fand ich hat GJ es deutlich besser als AB geschafft den Stil von Pratchett wieder zu geben, und ich muss wirklich sagen ich bin total überrascht wie unterschiedlich die beiden Übersetzungen sind! Ich meine, es ist ja praktisch kein Halbsatz mal gleich übersetzt, das hätte ich niemals so erwartet..

Ach und zum Schluss noch: Die neue Rechtschreibung ist doch doof, ich wollte zuerst nicht glauben, dass man helllicht echt mit drei L schreibt -.- Aber da kann wohl kein Übersetzer was für.
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