Neu-Übersetzung von Good Omens

Gespräche über alle anderen Bücher des großen Terry Pratchett.

Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Eule » Montag 8. September 2014, 10:16

Hallo Freunde,
seit ein paar Wochen sitze ich über einer Neuübersetzung von "Good Omens". (Wie man ggf. den Anmerkungslisten entnehmen konnte, ist die bisher vorliegende Übersetzung ausgesprochen unbefriedigend, wenn man sie mit dem Original vergleicht. In absehbarer wird auf der Seite der Anmerkungslisten eine erweiterte Zusammenstellung zu "Good Omens" stehen, die diese Aussage belegt - und einige weitere Hintergrund-Infos enthält.)
Im Moment blicke ich bei einer stelle nicht durch. Sie ergibt auch in der bisher vorliegenden Übersetzung keinen Sinn. Vielleicht hat jemand Informationen dazu:

Auf s. 326 (englisch) bzw. S. 392 (deutsch) steht:

“Nah,” said Famine. “It’s somewhere in Israel, I think.”
MOUNT CARMEL.
“I thought that was where they grow avocados.”
AND THE END OF THE WORLD.
“Is that right? That’s one big avocado.”

„Nee“, widersprach Hunger. „Das ist irgendwo in Israel, glaube ich.“
MOUNT CARMEL.
„Ich dachte, das ist, wo sie die Samen der Avocados legen.“
UND FÜR DAS ENDE DER WELT.
„Stimmt das? Das ist eine einzige große Avocado.“

Kann das irgendeine Doppelbedeutung haben, wie im deutschen Nuss (doofe Nüss)?

Es gibt ja im Englischen Redewendungen wie: And the world's your oyster.
Oder man sagt: He is nuts. He drives me nuts, bananas ...
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon TheLibrarian » Montag 8. September 2014, 10:24

Doppelbedeutung hat es m.W. keine - aber du hast es etwas zu wörtlich übersetzt. Passender wäre "Das ist eine echt große Avocado".
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Eule » Montag 8. September 2014, 17:11

Danke, Librarian,
das deutet zumindest einen Sinn an. Ich will mal nachforschen, ob die Avocado im englischsprachigen Raum eine übertragene Bedeutung haben kann, wie im Falll von "crazy" die "nuts" (oder bananas, oder coconuts ...)
Viele Grüße, Eule
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Ponder » Montag 8. September 2014, 18:47

Das ist jetzt eher Sprachgefühl als Wissen, also mit Vorsicht zu genießen. Erst mal zum Kontext der Stellen. Es geht um das Wort "Armageddon". Die Reiter grübeln darüber.
Die ersten drei Zeilen sind soweit noch klar. An dieser Stelle übrigens Mount Carmel lässt sich auch mit Der Berg Karmel übersetzten. Die Antwort “I thought that was where they grow avocados.” bezieht sich dann auf den Ort/Berg. Tod wirft dann noch ein, dass Armageddon auch einfach nur das Ende der Welt bedeutet.
Den Rest verstehe ich so:
Tods Antwort wird von Famine (oder einem anderen Reiter) aber als Ergänzung seines Satzes verstanden ("grow avocados... and the end of the world" - von daher - meiner Meinung nach - gar nicht so schlecht übersetzt mit dem eigentlich etwas umständlichen "Samen der Avocados legen").
Nun wird es natürlich interessant.
Die Antwort “Is that right? That’s one big avocado.” würde ich irgendwie so übersetzen: "Wirklich(/Echt wahr)? Krasser Scheiß."
Bei "That's one big ..." muss ich automatisch an sowas wie "That's one big pile of shit." denken. Meiner Meinung nach ist das "That's one big [insert some beforehand mentioned word here]" eine sprachliche Floskel um Erstaunen und Verwunderung auszudrücken. Auf das tatsächlich benutzte Wort kommt es hier dann gar nicht drauf an. Zumindest sagt das mein Sprachgefühl, gelernt oder so ausformuliert gehört habe ich das noch nicht. Lasse mich da aber gerne belehren oder korrigieren. Ich denke da sollte man am Besten einen Muttersprachler fragen. :-)
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon TheLibrarian » Dienstag 9. September 2014, 09:30

Das war auch mein Gedankengang, Ponder.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Ponder » Dienstag 9. September 2014, 09:36

Ich war beim Zusammenfassen einfach nicht so effektiv wie du. ;)
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Tod » Dienstag 9. September 2014, 10:44

Ponder hat geschrieben:Die Antwort “Is that right? That’s one big avocado.” würde ich irgendwie so übersetzen: "Wirklich(/Echt wahr)? Krasser Scheiß."
Bei "That's one big ..." muss ich automatisch an sowas wie "That's one big pile of shit." denken. Meiner Meinung nach ist das "That's one big [insert some beforehand mentioned word here]" eine sprachliche Floskel um Erstaunen und Verwunderung auszudrücken.

Dann würde ja auch "Krasse Avocado!" passen, da es ebenfalls die Assoziationen hervorrufen würde.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Eule » Dienstag 9. September 2014, 15:38

Danke! Die Diskussion macht Spaß.
Es könnte eine Überlegung sein, solche Textstellen in loser Reihenfolge immer wieder mal zu diskutieren.
Zum Namen Carmel:
Ich habe den Satz inzwischen erweitert, weil mir der Name des Bergs gefällt.
Das sieht jetzt so aus:

„Nee“, widersprach Hunger. „Das ist irgendwo in Israel, glaube ich.“
ES IST EIN BERG: MOUNT CARMEL.
„Ich dachte, das ist, wo sie die Samen der Avocados legen.“
UND FÜR DAS ENDE DER WELT.
„Echt? Das wird eine krasse Avocado!“

Man könnte evtl. noch ein "ja" einfügen: Das wird ja eine krasse Avocado!
Irgendwie hat das jetzt endlich einen Sinn.
Wegen der Formulierung mit dem "Samen legen" überlege ich noch mal. Vielleicht kann man mit wachsen/züchten/ noch was machen.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Ponder » Dienstag 9. September 2014, 20:06

Ich finde die Doppelübersetzung "Ein Berg: Mount Carmel" etwas unglücklich. Warum den englischen Namen verwenden? Relevant ist entweder der lokal übliche Name (ich vermute hebräisch), der historische (griechisch?) oder der der Übersetzung.
Zum Ort selbst: Bei Wikipedia selbst finde ich gerade nur was zum Gebirge Karmel, nicht dem Berg. Wobei in den Quellen wiederum schon vom Berg die Rede ist. Die englische Seite ist etwas ausführlicher, unter anderem wird aufgelistet, für welche Region der Begriff Mount Carmel genau stehen kann.

"Züchten" oder "anbauen" würde ich übrigens wirklich ganz gut finden um den Sinn ins Deutsche zu übertragen.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Feles Cum Libero » Dienstag 9. September 2014, 23:34

Irgendwie widersetzt sich mein Sprachgefühl bei dem "Legen der Samen der Avocados" bzw. verstehe ich nicht so ganz, warum es diese umständliche Formulierung braucht. Ich hätte das jetzt spontan so übersetzt:

„Ich dachte, dort bauen sie Avocados an.“
UND DAS ENDE DER WELT.
"Echt? Das ist aber eine große Avocado!"

EDIT: Habe gerade erst gemerkt, dass sowohl Ponder als auch Eule das mit dem Anbauen/Züchten schon geschrieben hat.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Eule » Mittwoch 10. September 2014, 14:29

Hi,

Mount Carmel ist der (englische) Name des Bergs, so wie Mount Everest. Daher will ich den stehen lassen. Berg Carmel klingt mir zu bieder.
In der Wikipedia ist der Count Marmel - sorry, das ist der mit den kleinen Spielkugeln, der die Marmelade erfunden hat - der Mount Carmel aufgeführt:
Mount Carmel (engl. für den Karmel (Gebirge) in Israel)
http://de.wikipedia.org/wiki/Mount_Carmel
und
http://de.wikipedia.org/wiki/Karmel_%28Gebirge%29

Eine Alternative wäre:
[ES IST] DAS KARMEL-GEBIRGE.
Den Text in der Klammer könnten man weglassen, also:
DAS KARMEL-GEBIRGE
oder dann noch besser:
DER KARMEL.

Für das Problem, an ein und derselben Stelle Avocados und das Ende der Welt entstehen zu lassen, habe ich weitere Vorschläge zusammengesucht (logo alternativ):

Dann fragte Krieg: „Wo ist dieses Armageddon denn überhaupt?“
„Komisch, dass du fragst“, bemerkte Hunger. „Das wollte ich immer schon mal nachgesehen haben.“
„Es gibt ein Armageddon in Pennsylvania“, teilte Umweltverschmutzung mit. „Könnte auch in Massachusetts sein oder in einer von diesen Ecken. Da laufen eine Menge von diesen Burschen mit langen Bärten und elegant schwarzen Hüten herum.“
„Nee“, widersprach Hunger. „Das ist irgendwo in Israel, glaube ich.“
ES IST EIN BERG IN ISRAEL: MOUNT CARMEL. / DAS KARMEL-GEBIRGE / DER KARMEL.
„Ich dachte, das ist, wo sie die Avocados herstellen.“
„Ich dachte, das ist, wo sie die Avocados produzieren.“
„Ich dachte, das ist, wo sie die Avocados heranziehen.“
„Ich dachte, das ist, wo es die Avocados gibt.“
„Ich dachte, das ist, wo die Avocados [heran]reifen.“
„Ich dachte, das ist, wo die Avocados gedeihen.“

UND DAS ENDE DER WELT.
„Stimmt das? Das wird eine krasse Avocado!“

produzieren würde den Sinn treffen
[heran]reifen oder nur reifen könnte ebenfalls passen.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Ponder » Mittwoch 10. September 2014, 16:59

Ich wollte schreiben, warum mich der Name auf englisch "Mount Carmel" mehr stört als beispielsweise "Mount Everest". Aber ich denke ich hole erst ein wenig mehr aus...
Der Begriff Armageddon taucht nur ein einziges Mal in der Bibel, in der Johannesoffenbarung, auf:
Die sechste Schale (Verse 12-16) beinhaltet, dass der Fluss Euphrat austrocknet und dass drei Dämonengeister die Könige der Welt dazu bewegen, sich zum Krieg mit Gott am Berg Harmagedon zu versammeln (Quelle)

Der Berg lässt sich nicht eindeutig identifizieren, eine Deutung ist jedoch "Har Megiddô [...], Berg von Megiddo, ein südlicher Ausläufer des Karmelgebirges." (Quelle: wie oben) Das erklärt wunderbar die erste Antwort von Tod. Von der Übersetzung her wäre "Das Karmel-Gebirge" also vermutlich am geeignesten.
So nun nochmal zurück zu "Mount Carmel": Der "Mount Everest", Name gewidmet George Everest, hat international eine recht hohe Bekanntheit. Das würde ich vom Karmel/Carmel nicht unbedingt sagen. Aus diesem Grund sollte Tod für die Antwort entweder die Sprache verwenden, die er gerade spricht, oder eben eine, in der das Gebirge sonst so bekannt ist. Ich sehe jedoch keinen Grund, warum er hier plötzlich auf englisch wechseln sollte.

EDIT: Anbauen gefällt mir von den Varianten glaube ich am Besten.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Bat » Mittwoch 10. September 2014, 22:49

Mir gefällt "gediehen" bei den Avocado-Varianten am besten, da (für mich) der Bezug zum "das Ende der Welt entsteht auch da" am einfachsten zu ziehen ist.

Zum Karmel-Gebirge:
In der englsichen Wikipedia heißt es:
The phrase "Mount Carmel" has been used in three distinct ways:[1]

To refer to the 39 km-long (24-mile long) mountain range, stretching as far in the southeast as Jenin.
To refer to the northwestern 19 km (12 mi) of the mountain range.
To refer to the headland at the northwestern end of the range.


Daher und auch von meinem Sprachgefühl finde ich "Das Karmel-Gebirge" am besten. Es kommt auch dem Original-Ausdruck am nächsten und es ist nicht noch etwas hinzugetxtet worden.*

*Das ist ja etwas, was gern Brandhorst bei den Scheibenwelt-Übersetzungen angekreidet wurde.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Mam Summ » Donnerstag 11. September 2014, 07:06

Eule hat geschrieben:
„Komisch, dass du fragst“, bemerkte Hunger. „Das wollte ich immer schon mal nachgesehen haben.“

„Ich dachte, das ist, wo es die Avocados gibt.“
„Ich dachte, das ist, wo sie Avocados züchten.“
„Ich dachte, das ist, wo die Avocados wachsen.“

„Echt? (Das sind/werden) Krasse Avocados!“.


Auch wenn ich mich wegen zu schlechter Englischkenntnisse zum Übersetzen zurückhalten wollte, jetzt gibt's doch nen Kommentar. Ich habe ganz unelegant im Zitat rumgeschrieben. ;)

Wenn ich „Das wollte ich immer schon mal nachgesehen haben.“ in einem gekauften Buch lesen müsste, würde ich wahrscheinlich versuchen, es zurückzugeben... ;) Da stellen sich mir die Nackenhaare auf, sorry. Da ich das Original jetzt aber nicht zur Hand habe, mache ich keinen eigenen Vorschlag.

Für die Avocadofrage habe ich mal meine drei Favoriten/Vorschläge im Zitat editiert. Den Rest finde ich umständlich oder gestelzt.

Und nach dem obigen englischen Zitat ist es zwar nur eine Avocado, aber nachdem es im Satz vorher der Plural ist, finde ich es klingt in der Einzahl merkwürdig.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Tod » Donnerstag 11. September 2014, 07:23

Man könnte es ja so verstehen, dass es die krasse "Armageddon"-Avocado ist. Daher passt meiner Ansicht nach auch Singular ganz gut.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Feles Cum Libero » Donnerstag 11. September 2014, 09:47

Irgendwie störe ich mich an dem "das ist, wo". Ich würde stattdessen eher "dort" verwenden, aber eine konkrete Begründung dafür habe ich nicht.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Mam Summ » Donnerstag 11. September 2014, 12:42

Feles Cum Libero hat geschrieben:Irgendwie störe ich mich an dem "das ist, wo". Ich würde stattdessen eher "dort" verwenden, aber eine konkrete Begründung dafür habe ich nicht.

Oh ja, stimmt, das gefällt mir auch deutlich besser.
Mit Tods Begründung macht auch der Singular Sinn, so hatte ich das bisher nicht verstanden.
Jetzt weiß ich auch wieder, warum "Übersetzer" kein Hobby, sondern ein Beruf ist. ;)
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Feles Cum Libero » Donnerstag 11. September 2014, 12:55

Mam Summ hat geschrieben:Jetzt weiß ich auch wieder, warum "Übersetzer" kein Hobby, sondern ein Beruf ist.

Jepp, geht mir auch so.
Bei solchen Gelegenheiten fällt mir immer der Kommentar einer befreundeten, hauptberuflichen Übersetzerin ein, die meinte "Viele glauben, Englisch besser übersetzen zu können, nur weil sie es ein paar Jahre lang in der Schule hatten".
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Eule » Donnerstag 11. September 2014, 16:59

Hi und danke!

Das Original:

Then War said, “Where is Armageddon, anyway?”
“Funny you should ask,” said Famine. “I’ve always meant to look it up.”
“There’s an Armageddon, Pennsylvania,” said Pollution. “Or maybe it’s Massachusetts, or one of them places. Lots of guys in heavy beards and seriously black hats.”
“Nah,” said Famine. “It’s somewhere in Israel, I think.”
MOUNT CARMEL.
“I thought that was where they grow avocados.”
AND THE END OF THE WORLD.
“Is that right? That’s one big avocado.”


Dann fragte Krieg: „Wo ist dieses Armageddon denn überhaupt?“
„Komisch, dass du fragst“, bemerkte Hunger. „Das wollte ich immer schon mal nachgeschlagen haben.“
„Es gibt ein Armageddon in Pennsylvania“, teilte Umweltverschmutzung mit. „Könnte auch in Massachusetts sein oder in einer von diesen Ecken. Da laufen eine Menge von diesen Burschen mit langen Bärten und elegant schwarzen Hüten herum.“
„Nee“, widersprach Hunger. „Das ist irgendwo in Israel, glaube ich.“
DAS KARMEL-GEBIRGE
„Ich dachte, da kommen die Avocados her.
UND DAS ENDE DER WELT.
„Stimmt das? Das wird eine krasse Avocado!“

Mam Summ, deine Anmerkung hat mir zu denken gegeben.
Ich habe „nachgesehen“ durch „nachgeschlagen“ ersetzt. Das wäre der korrekte Ausdruck für die Benutzung eines Lexikons oder eines Atlas.
Was die Zeit im Fall „nachgeschlagen haben“ betrifft, muss das so sein; denn jetzt kann er es nicht mehr tun.

Die Frage mit „grow Avocados“ kann man m. E. nicht mit „anpflanzen“ beantworten. Armaggedon kann man nicht anpflanzen. Es kommt, oder – meinetwegen – entwickelt sich, oder es wird in Gang gesetzt …
Ich habe mich jetzt für eine Kurz-Variante entschieden (siehe oben).
Dabei kann dann auch das mit Recht kritisierte „dort, wo“ wegfallen. Gleichzeitig bleibt der Sinn erhalten bzw. kommt m. E. noch besser heraus.

Was den Punkt Übersetzer/Profi angeht:
Offensichtlich haben die Verlage kein Interesse, für „Trivialliteratur“ teure Profis einzusetzen. So war das jedenfalls mit Sicherheit vor über 20 Jahren, als man Andreas Brandhorst damit beauftragt hat. Von einem Profiübersetzer müsste man erwarten können, dass er
a) Standard-Englisch fließend beherrscht.
b) Mehrere, aktuelle Wörterbücher zur Verfügung hat, inkl. Slang-Wörterbuch.
c) Land, Leute, Gebräuche usw. des/der Autoren gut kennt.
d) Den Stil des/der Autoren kennt.
Wir sind mit Gerald und Regina somit gut bedient.

Es wäre schön, wenn nicht nur der Goldmann-Verlag (Übersetzungen durch Gerald und Regina), sondern auch der Piper-Verlag, der offensichtlich noch Rechte an ein paar Büchern hat (u. a. an Good Omens), ebenfalls neue Übersetzungen anfertigen ließe, die mit den obigen Kriterien für Übersetzer harmonieren – wenn ich das mal so ausdrücken darf. Ich habe dem Verlag meine Version (die ersten 60 Seiten) angeboten. Aber während man auf Raphaels Zusammenstellungen bei Neuauflagen noch eingegangen zu sein scheint, antwortet der Piper-Verlag nicht auf mein Schreiben. Tel Aviv, wie der Franzose sagt (dort gibt es m.W. keine Avocados-Felder).
(Übrigens: Profi bin ich auch keiner. Aber ich habe Zeit. )
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Feles Cum Libero » Donnerstag 11. September 2014, 22:13

Eule hat geschrieben:“I’ve always meant to look it up.”

Spricht etwas dagegen, diesen Satz mit "Das wollte ich immer schon mal nachschlagen.", oder mit "Das wollte ich schon seit Ewigkeiten nachschlagen." zu übersetzen*?
"I've always meant to do that" würde man ja auch eher mit "Das wollte ich immer schon mal machen", als mit "Das wollte ich immer mal gemacht haben" übersetzen**.


Noch zur Diskussion Profi-/Hobby-Übersetzer: Das ist keineswegs als Kritik gemeint, die Mühe, die du dir mit diesen Listen gibt, ist bewundernswert. Es geht eher darum, dass wir immer wieder feststellen, dass Übersetzen gar nicht so leicht ist, wie man denkt. Professionelle Übersetzer haben nicht umsonst eine entsprechende Ausbildung hinter sich. Aber wie du geschrieben hast: Die Verlage geben zu wenig Geld dafür aus. Das führt nicht nur dazu, dass immer wieder eher unprofessionelle Übersetzer angestellt werden, sondern auch dazu, das eigentlich gute Übersetzer viel zu schnell arbeiten müssen, da sie sonst nicht genug Aufträge zusammenbekommen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zu welcher Art von Übersetzer Herr Brandhorst gehört, möchte ich mir nicht anmaßen zu beurteilen.

------
* Mein Verdacht ist, dass Mam Summ eher das "immer schon mal [...} haben" stört und nicht das "nachsehen". Zumindest geht das mir so. ;)
** Das wäre vermutlich auch eher "I've always meant to have done that."
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Mam Summ » Donnerstag 11. September 2014, 22:56

Feles Cum Libero hat geschrieben:
Eule hat geschrieben:“I’ve always meant to look it up.”

Spricht etwas dagegen, diesen Satz mit "Das wollte ich immer schon mal nachschlagen.", oder mit "Das wollte ich schon seit Ewigkeiten nachschlagen." zu übersetzen*?
------
* Mein Verdacht ist, dass Mam Summ eher das "immer schon mal [...} haben" stört und nicht das "nachsehen". Zumindest geht das mir so. ;)"

Ja, das war mein Gedanke. ;) Wenn die verstrichene Gelegenheit aus dem Englischen so deutlich hervorgeht, wäre vielleicht auch "Das wollte ich immer nachschlagen" eine Option. Klingt für mich leicht bedauernd und nach "Chance verpasst" , ohne so umständlich zu schachteln. Die Avocadofrage finde ich jetzt gut gelöst. :D

Und ja, mit dem Übersetzen war es so gemeint wie Feles schrieb, keinesfalls als Angriff. Wenn man dann auch noch
sowas erfährt, fehlen sowieso die Worte... Ich merkte aber auch, wo die Listen grad angesprochen wurden, dass es da viel Spielraum gibt. Viele deiner Anmerkungen sehe ich "nur" als anders, nicht als besser an. Da sie dadurch sehr lang wurden und sich kein so großer Aha-Effekt wie bei den alten Listen einstellte, habe ich allerdings auch nicht sehr weit darin gelesen... :oops:
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Eule » Freitag 12. September 2014, 09:52

Danke für die weiteren Hinweise/Vorschläge.

Feles, du hast natürlich recht. Ich habe jedes Mal überlesen, dass im Englischen „I have meant“, und nicht I had meant“ steht. Daher muss diese Stelle so wiedergegeben werden, wie du schreibst:
"Das wollte ich schon immer mal nachschlagen."

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Die andere Version „seit Ewigkeiten“ gefällt mir privat zwar besser, würde aber an der Stelle im Buch wahrscheinlich zu „pompös“ wirken. Hunger (Famine) ist nicht seit Ewigkeiten auf der Welt, und in seinem sonstigen Auftreten ist er eher zurückhaltend, im Hintergrund wirkend.

Hi, Mam Summ,
das ist völlig ok. Wer keine Hitze verträgt, sollte nicht in die Küche gehen. d.h., wenn ich um Hilfe bitte, ist es nicht nur klar, sondern sehr sinnvoll – wie an dieser Textstelle sehr deutlich wird – dass klar geredet (geschrieben) wird, das spart Zeit und vermeidet Missverständnisse.

Profi-/Hobby-Übersetzer: Keine Sorge; ich habe das nicht als Kritik empfunden. :-)

Und noch zu meinen „Anmerkungen“. Ursprünglich nannten sie sich „Fehlerberichte“ oder so ähnlich. Beim Durchgehen der Bücher, stellte ich aber fest, dass es weitaus interessanter ist, möglichst viele Hintergrundinfos zu sammeln. Das macht es dann auch für die Fans interessant, die das englische Original lesen; denn selbst, wenn man alles fließend liest (bzw. lesen könnte, ich schau‘ auch immer wieder nach), übersieht man leicht diverse Anspielungen. In Good Omens findet man z. B. einige Bezüge zu Bibeltexten. Wie viele Leute kennen oder lesen die Bibel schon? Sobald ich mit der Übersetzung durch bin, bitte ich Jens eine deutlich erweiterte Zusammenstellung zu dieem Buch auf unsere Anmerkungen-Seite zu stellen.
Ausgesprochene Fehler in diesen Anmerkungen sind jeweils fett markiert.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Eule » Mittwoch 24. September 2014, 18:28

Hi,

heute eine ganz andere Frage:
Beim Übersetzen des Buchs stieß ich naturgemäß auf eine ganze Reihe schwer oder nicht übersetzbarer Wortspiele.
Besteht ein Interesse, diese Wortspiele mal in einem Dokument (Word-Datei, PDF o.ä.) zusammenzustellen (englisch) und zu erklären?
Das hieße, sie erst mal wörtlich zu übersetzen, ggf. den Hintergrund zu erklären bzw. zu erklären versuchen und evtl. nach Lösungen für eine deutsche Version zu suchen?
Wenn sich mehr als zwei oder drei dafür interessierten, wäre es die Mühe wert. Bei weniger Leuten (Clubmitgliedern!) ließe sich das per Mail schneller und einfacher regeln.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Mam Summ » Donnerstag 25. September 2014, 12:33

Erstmal: ja, großes Interesse! :-D
Vielleicht könnte man das ungeachtet der Interessentenanzahl einfach hier im Forum besprechen? Z. B. unter "Lesethemen"? Das bietet Platz für Diskussionen und lässt sich später immer zusammen stellen, falls man es doch mal bündeln möchte.
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Re: Neu-Übersetzung von Good Omens

Beitragvon Ponder » Freitag 26. September 2014, 06:39

Auch wenn du mich vermutlich sowieso unter die Interessenten gezählt hast, melde ich mich mal offiziell.
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