Übersetzungsvergleich

Hier findest du Hilfe, wenn du an Referate, Hausarbeiten oder ähnlichen Dingen schreibst.

Übersetzungsvergleich

Beitragvon Lina Ogg » Mittwoch 15. Februar 2017, 15:46

Hallo liebe virtuelle Scheibenweltbewohner!
Ich studiere derzeit im Master Literaturübersetzen und habe im Studium schon öfter mal in Kursen kurze Stücke von Pratchett-Texten übersetzt. Das waren meist meine Lieblings-Texte, erstens weil ich selber (vor allem früher) sehr gerne und fast alles von Pratchett gelesen habe, zweitens weil man bei Pratchett immer so schön mit Sprache spielen kann. Ich LIEBE Wortspiele und Referenzen ;) Ich weiß daher auch, dass Pratchett zu übersetzen echt knifflig sein kann und viel Mühe, Kreativität und Liebe braucht.
Jedenfalls neigt sich mein Studium jetzt dem Ende zu und ich konnte soeben meine Dozentin dazu überreden, einen Pratchett-Übersetzungsvergleich als Masterarbeit zu betreuen! :D Ich habe mich noch nicht auf ein Buch festgelegt und schwanke grad noch zwischen Reaper Man/Alles Sense und Total Verhext/Witches Abroad. Letzteres ist eigentlich mein Lieblingsbuch, während man bei Reaper Man so Sachen wie Gesellschaftskritik in Pratchetts Werk ganz gut hervorheben kann. Und während ich jetzt diese beiden Bücher nochmal neu lese, mir die passenden Übersetzungstheorien beschaffe und versuche an die beiden, bzw. neuen Übersetzungen zu kommen, habe ich eine kurze Frage an euch:
Gab es irgendwo in einem Scheibenweltroman das Thema Kommunikationsschwierigkeiten durch unterschiedliche Sprachen, bzw. eine Szene wo irgendetwas innerhalb der Scheibenwelt übersetzt wurde? (Wo ich da grade so schreibe, fällt mir ein dass Nanny Ogg in Total Verhext ja "ausländisch" spricht) Ich dachte, es gäbe vielleicht sowas wie den Ikonographen mit den Kobolden, nur für Sprachen? Die meisten Romane habe ich vor ca. 10 Jahren gelesen und bin da grade nicht mehr so flüssig in den Details ;) Jedenfalls wäre ein netter Spruch zum Thema schön für den Titel der Arbeit oder zumindest die Einleitung.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Tod » Mittwoch 15. Februar 2017, 19:55

Die Farben der Magie und Echt zauberhaft spielen mit der Sprache vom Gegengewicht Kontinent. Ansonsten einige Romane mit dem Zwergischen und Trollisch:
http://www.thediscworld.de/index.php/Zwergisch
http://www.thediscworld.de/index.php/Trollisch
Don't panic!
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Ponder » Mittwoch 15. Februar 2017, 20:32

Bei Kommunikationsschwierigkeiten fällt mir der Argh-Gag ein, der allerdings auch recht bekannt ist. Vollständiges Zitat findet sich hier: http://www.thediscworld.de/index.php/Aargh!
Nanny Ogg versucht sich auch mal an der Übersetzung von Chateau Maison, geht dabei aber etwas zu silbenlastig damit um.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Lina Ogg » Donnerstag 16. Februar 2017, 11:14

Stimmt, der Argh-Gag, ich erinnere mich! :lol: Ist leider nicht catchy genug, aber trotzdem vielen Dank für eure Mühe. Ich schau mal weiter und mir fällt bestimmt noch was ein.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Ponder » Donnerstag 16. Februar 2017, 11:44

Im bereits erwähnten "Farben der Magie" gibt es in Bezug auf Sprachbarrieren die Stelle wo Rincewind versucht sich mit Zweiblum zu unterhalten und deswegen allerlei Sprachen verwendet. Aber es wird im Wesentlichen nichts in den Sprachen gesprochen und nur sehr wenig zu diesen gesagt. Das wird dir also vermutlich also wenig weiterhelfen.

Ansonsten fallen mir in Bezug auf Übersetzung innerhalb der Scheibenwelt nur diverse Sachen aus Latatianisch oder anderen alten Scheibenwelt-Sprachen ein, die nach "Morporkisch" übersetzt wurden bzw. versucht wurden zu übersetzen (z.B. Vetinaris Vortrag über Policeman/Politician am Ende von Men At Arms/Helle Barden oder Rincewinds Motto für die Mondmission in Last Hero/Wahre Helden). Aber ich schätze, das eignet sich alles auch zuwenig als Aufmerksamkeitserhascher.

Hast du eine Idee in welche Richtung der Spruch gehen sollte? Also etwa anhand eines Beispiels eines anderen Autoren?
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Anjali » Samstag 18. Februar 2017, 09:34

Hallo! :) Das klingt ja mal nach einem spannenden Thema für eine Masterarbeit! :D

Ich fürchte, ich habe auch noch nicht ganz verstanden, was du suchst, aber beim Thema Übersetzung fiel mir sofort Mummenschanz ein. Da sehen sich Oma und Nanny ja eine Oper an und Nanny versucht sie zu verstehen. Ich erinnere mich, dass das ziemlich witzig war ... für mich. ;)

Liebe Grüße,
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Sonntag 19. Februar 2017, 19:34

Hi Lina,
im vorletzten Scheibenweltbuch "Raising Steam" kommt ein (1) deutliches Sprachproblem vor.
Die Frau des quirmianischen (französisch) sprechenden Marquis stammt aus Ankh-Morpork, d. h. ihre Muttersprache ist Englisch.
Also benutzt sie immer wieder englische Idioms:
‘However, for you, my friend, zis is difficult because we don’t sell our birthright unless, that is, the price is extremely ’igh. And, when the news gets out about the railway the price will be extremely ’igh: you will, as my wife says, ’ave to pay “dans le nez”. I think, my friend, you will ’ave to find another route from here to Quirm City if you want to get ze job done before les poules auront des dents.’
In Geralds Übersetzung findest du die Lösung. (Da spricht die Dame natürlich Deutsch.) Aber versuch erst mal selbst dahinter zu kommen.

Ich habe bisher ca. 20 Bücher unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht, darunter auch sprachliche Aspekte.
Das findest du in den Anmerkungslisten. Wenn dir das interessant genug erscheint, bin ich gern behilflich.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Ponder » Montag 20. Februar 2017, 07:33

Hallo Eule, da hast du mich neugierig gemacht. Schickst du mir eine PN oder E-Mail mit des Rätsels Lösung?
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Lina Ogg » Donnerstag 23. Februar 2017, 13:34

Eigentlich hatte ich an was ganz kurzes gedacht, was man gut in die Überschrift der Arbeit einbauen könnte. Im L-Space gibt es zB eine Abschlussarbeit zu den Hexen mit dem Titel "Which witch is which", was ein Zitat aus einem Hexenroman war. Von der Idee hab ich mich inzwischen wieder verabschiedet und werde den Titel jetzt erstmal etwas vage halten (er muss auch schon mit Anmeldung der Arbeit feststehen, daher sollte er eh eher deskriptiv sein). Vielen Dank trotzdem für eure Ideen! Vielleicht bringe ich doch den Argh-Gag als Einleitung wenn es um wörtliche Übertragbarkeit oder so geht ;)
Anjali, ja Nanny ist ja sowieso das "Sprachgenie" unter den Hexen, auch in Total Verhext versucht sie sich ja in Fremdsprachen, was ich auch urkomisch fand :lol:
Eule, wow 20 Bücher von Terry Pratchett? Beeindruckend! Hast du die Bücher dann inhaltlich untersucht oder auch Übersetzungen verglichen? (Stammen die Anmerkungen zu den Büchern auf Ankh-Morpork.ev von dir?) Und machst du das als Hobby?
Dein Beispiel ist ja echt knifflig, das ist ja quasi eine doppelte Übersetzung (plus die Übertragung ins Deutsche) So ganz komme ich nicht dahinter, was das gedachte englische Original sein könnte, wo man dann natürlich eine deutsche Entsprechung bräuchte, die dann wieder wörtlich ins französische übersetzt wird. (Denke ich grad zu kompliziert oder nicht kompliziert genug?) Ich werde nochmal ein bisschen knobeln ;)
Ich habe mich inzwischen dann doch gegen Total Verhext als Untersuchungsgegenstand entschieden und nehme lieber Alles Sense. Ich finde, da kommt der gesellschaftskritische Aspekt deutlicher raus, der ja (mit) die Begründung für die Neuübersetzung von Seiten des Verlags war. Ob das in der Neuübersetzung jetzt besser rauskommt, bin ich mal gespannt. Ich hab inzwischen jedenfalls alle drei Textvarianten hier rumliegen und gehe jetzt mal an die Arbeit! (Und ich glaube, ich hab mich noch nie so sehr auf eine wissenschaftliche Arbeit gefreut. Unglaublich.)
Ich habe auch grade die Anmerkungen über die Bücher auf der Seite von ankh-morpork e.V gefunden, wow die sind ja ausführlich! Die muss ich auf jeden Fall mal durchschauen. Wenn ich das so sehe sollte ich vielleicht doch lieber Total Verhext nehmen und meine Anmerkungen da veröffentlichen :D
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon TheLibrarian » Donnerstag 23. Februar 2017, 17:23

Lina Ogg hat geschrieben:was das gedachte englische Original sein könnte, wo man dann natürlich eine deutsche Entsprechung bräuchte, die dann wieder wörtlich ins französische übersetzt wird. (Denke ich grad zu kompliziert oder nicht kompliziert genug?)

Zu kompliziert. Lass den Zwischenschritt deutsch raus und es wird deutlich einfacher. ;)
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Donnerstag 23. Februar 2017, 21:16

Hi Lina,
ich antworte dir in den nächsten Tagen, weil ich wegen einer Augen-OP derzeit nicht lang am Computer sitzen darf.
Und ja, die Bücher habe ich so auseinander genommen, wie du es schreibst.
Der Librarian hat recht. Such nach einer englischen Redewendung mit Nase.
Gerald Jung hat das perfekt übertragen.
Du kannst mich auch per Mail kontaktieren.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Lina Ogg » Mittwoch 14. Juni 2017, 07:47

Eule, ein riesengroßes, herzliches Dankeschön an dich für die viele Arbeit mit den Übersetzungsanmerkungen. Das hat mir bisher unheimlich geholfen, vor allem wenn ich Stellen, die mir auch aufgefallen waren, wiederfinden wollte, aber auch ein paar Stellen, die mir nicht aufgefallen waren. (Wobei ich mich mit Beispielen echt bremsen muss, es gibt immer so unheimlich viele, die man besprechen könnte.) Ich hoffe, deinen Augen geht es inzwischen besser und du hattest Recht, die Stelle mit der Nase ist wirklich gut gelungen. :)
Mit meiner Masterarbeit komme ich ganz gut voran, nicht so schnell wie ich gerne hätte, aber es wird und hat alles bisher Hand und Fuß :)
Jetzt brauche ich nochmal kurz eure Hilfe, vielleicht weiß ja zufällig jemand was: In einem Artikel über die Übersetzung ins Tschechische wurde ein Interview mit dem entsprechenden Übersetzer zitiert, den Pratchett wohl in einem Gespräch ermutigt hat, eigene Witze einzubauen. Ich kann kein Tschechisch und das zitierte Interview ist auch nicht mehr online, daher die Frage an euch: wisst ihr zufällig, ob Pratchett irgendwo sowas ähnliches schonmal gesagt hat? (sorry, ich hoffe, das ist jetzt nicht zu speziell. Falls euch spontan nichts einfällt, macht euch nicht auf lange Suchen ;) )
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Ponder » Mittwoch 14. Juni 2017, 09:01

Ich weiß, dass Pratchett sich mal zur spanischen (?) Übersetzung im Companion geäußert hat und erwähnte, dass manche Übersetzungen schwer zu realisieren wären, es einige Übersetzer aber wohl ganz gut machen (hab gerade die Stelle nicht parat und das ist aus dem Gedächtnis gekramt, kann also abweichen von dem tatsächlichen Inhalt).

Bezüglich des tschechischen Übersetzers: Vielleicht findest du in diesem englischen Paper zur tschechischen Übersetzung von Jan Kantůrek etwas. Ansonsten kenne ich nur dieses Interview mit ihm, wo allerdings auch nichts zu einer gesonderten Ermutigung steht.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Donnerstag 15. Juni 2017, 18:16

Hallo Lina,

schön, dass dir die Anmerkungen weiterhelfen!
Ich sitze gerade über "Witches Abroad".
Falls dir die halbfertigen Anmerkungen dazu (bisher 26 Seiten) noch etwas nützen könnten, mail mir (Adresse siehe Anmerkungslisten), dann kann ich dir den aktuellen Zustand zuschicken.
Ich nehme aber an, dass du an diesem Buch ausführlich gearbeitet und womöglich mehr Stellen gefunden hast als ich. Grundsätzlich wäre ich an deiner Hilfe interessiert, wenn du dann deine Masterarbeit fertig hast.
Hier ein paar Beispiele aus der Liste:

She looked around the clearing. She had called upon Mister Safe Way, Lady Bon Anna, Ho-taloga Andrews and Stride Wide Man.
Terry Pratchett teilte dazu mit: “Ich brauchte ein paar gute Namen, die nach echten Voodoo-Namen klangen. Einer der klassischen Namen ist Carrefour. (Kalfu oder französisch Carrefour ist der kreolische Name einer Voodoo-Gottheit.) Es ist hier auch der Namen einer Supermarktkette. Und jedes Mal, wenn ich daran vorbei fuhr, musste ich grinsen. Daher nahm ich dann Safeway.” (Safeway ist eine britische Supermarktkette.) Die anderen Namen sind frei erfunden.“
Ross Mann ist eine schöne deutsche Version!
Bon Anna: In Good Omens ist Gros-Bon-Ange genannt, die Lebenskraft, die jedem seit Geburt innewohnt.

Nanny Ogg was more sympathetic but had a tendency to come out with what Magrat thought of as double-intenders, although in Nanny Ogg’s case they were generally single entendres and proud of it.
double-intenders = double entendre = Zweideutigkeiten (vom französischen entendre = hören)

‘Der flabberghast,’ muttered Nanny.
‘What’s that?’ said Magrat.
‘It’s foreign for bat.’
Das „der“ vor flabberghast weist darauf hin, dass das Wort deutsch sein soll. Bekanntlich ist das deutsche Wort aber „Fledermaus“. Flabberghast ist frei abgeleitet von „flabbergasted“ (entgeistert, äußerst verblüfft). „Die Flabbergast“ war ein Sketch von Dudley Moore in seiner Comedy-Show „Beyond th Fringe“. Siehe ggf.
http://www.youtube.com/watch?v=y9tb05DMlqg

‘Openny vous, gunga din, chop-chop, pretty damn quick,’
„Uwe, uwe, gunga din, chop-chop, aber dalli“, rief sie. (Übersetzung Rawlinson)
„Aufmac-vous, gunga din, zack zack, aber dalli!“

Direkt danach:
“Hey mister, jigajig toot sweet all same No. 3”
jigajig ist Pidgin-Slang für Geschlechtsverkehr, siehe ggf. en.wiktionary.org/wiki/jigajig

Magrat:
‘It doesn’t fly unless you run really fast,’ she explained, aware even as she spoke how stupid this sounded, especially if you were listening in a foreign language. ‘I think it’s called hump starting.’
Magrat verwechselt hump start mit jump start, was aber wiederum Fremdstart oder auch Frühstart bedeutet. Andererseits passt ihre Namenswahl; denn hump bedeutet auch Hindernis: also Hindernis-Start – oder Start mit Hindernissen.

Cwuissses dee Grenolly - Froschschenkel (französisch) = cuisse de grenouille
Crap suzette - So wie Nanny crêpes sucette ausspricht, klingt es für Oma wie „Scheißlutscher“; crap = Scheiße, Dreck, Kack ...; sucette (fr.) = Lutscher, Schnuller, Schlecker ...

‘More than a couple of hours on a stick and I’ve gone rigid in the dairy air.’
rigid in the dairy air = in the derriere (französisch hinten, aber auch Hintern);
dairy air = Milch(wirtschaft), air = Luft;

‘Although, it’s a funny thing, in some foreign parts “bum” means “tramp” and “tramp” means “hobo”. Funny things, words.’
Dass es mit den ausländischen Wörtern seltsam ist, weiß in Bayern jeder, zum Beispiel Englisch:
▪ Auge heißt eye
▪ Ei heißt egg.
▪ Eck heißt corner.
▪ Und koana heißt nobody


Meine Augen sind besser als vorher: zwei neue Linsen. :D
Viel Erfolg!
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Donnerstag 15. Juni 2017, 18:25

Nachtrag:
Ich suche gerade im Web nach diesem Interview (das mir nicht bekannt ist).
Hier finde ich etwas:
http://www.dzm.com/~zuzana/pics/misc-bus/mag/kanturek.pdf
Hier ist ein deutsches Interview mit Gerald Jung, das jedenfalls zu deinem Thema passen könnte:
http://www.pratchett-buecher.de/interview_neuuebersetzung.php
Ein bisschen was zu Translation steht hier:
http://misrule.com.au/wordpress/interviews/terry-pratchett-interview/
Das hier, eine Bachelorarbeit, könnte passen:
https://is.muni.cz/th/235384/pedf_b/Bachelor_Thesis_235384.txt
Darin wird auch Jan Kantůrek genannt (siehe oben)

Als Suchbegriff habe ich eingegeben:
Terry Pratchett interview czech translation
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Sonntag 18. Juni 2017, 18:46

Der Übersetzer müsste der Tscheche Jan Kantůrek sein. (Namen per Kopieren wörtlich übernehmen!)
Vielleicht kannst du seine Adresse im Web finden.
Er hat alle Bücher Pratchetts ins Tschechische übersetzt.
Er hat Terry Pratchett mehrfach getroffen.
Vielleicht ist das im letzten Eintrag genannte Interview das, was du suchst.
Evtl. könnte ich dir bei den tschechischen Wörtern weiterhelfen.
Ich habe Freunde in Tschechien, habe aber im Moment keine Mail-Adresse dazu.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Lina Ogg » Donnerstag 22. Juni 2017, 08:46

Wow ihr seid wirklich super :o

Eule, das ist wirklich lieb von dir, dass du mir mit Tschechisch helfen kannst. Aber das ganze wäre sowieso nur Stoff für maximal einen kleinen Absatz in meiner Arbeit, so im Sinne von: auch Pratchett selbst ermutigt seine Übersetzer, wo möglich Witze einzubauen. Wenn die Übersetzer also selber Witze erfinden (Brandhorst tut das an ein paar Stellen) oder Unübersetzbares durch eigene Kreationen ersetzen, dann handeln sie damit im Sinne Pratchetts. Das passt dann wieder zu meinem Theorieteil mit dem Loyalitätsprinzip (es gibt verschiedene Theorien zum Übersetzen, die eine Theorie, die ich verwende sagt: es kommt alles auf den Zweck an, zu dem die Übersetzung angefertigt wird, die andere Theorie sagt: nee, man muss schon auch dem Autor und seinen Intentionen treu bleiben).

Das englische Interview im vorletzten Link ist daher trotzdem hilfreich, weil sich Pratchett da zum (angeblichen) Zielpublikum am Anfang seiner Karriere äußert. Meine ganze Arbeit basiert darauf, dass für die Neuübersetzung ein anderes Zielpublikum angesprochen werden sollte und man die Romane nicht mehr "nur" als Fantasy vermarkten will, sondern als ernsthafte, philosophische Werke, als Spiegel unserer Gesellschaft usw. und ob und wie sich das in der Neuübersetzung zeigt. Also dass Rawlinson zB. sorgfältiger übersetzt hat, ein höheres sprachliches Register wählt, anspruchsvoller schreibt (mehr Idiomatik, besser ausgearbeitete Metaphern etc) Und dann natürlich einige generelle Übersetzungsprobleme, wie die vielen, vielen Anspielungen und Wortspiele, die obligatorische Sache mit der Anrede...

Mein Zwischeneindruck ist übrigens, dass die Brandhorst-Übersetzung nicht schlecht ist, aber die Rawlinson-Übersetzung doch nochmal ausgereifter. Es geht aber auch eigentlich gar nicht darum, was besser oder schlechter ist, sondern wie verschiedene Dinge umgesetzt wurden. Aber ich gehe jetzt grade erst vom sprachlich formellen Teil in den "kann man denn aufgrund der unterschiedlichen Übersetzungen etwas verschieden Deuten"-Teil über.

Ich bearbeite übrigens Reaper Man, kann dir also mit Witches Abroad leider nicht weiterhelfen, Eule. (sehr schön übrigens die Wortreihe von Auge bis Nobody :lol: ) Aber wenn ich dann irgendwann mit der Arbeit fertig bin, kann ich gerne mal meine Anmerkungen zu den Übersetzungen und einige signifikante Unterschiede in den beiden Übersetzungen an dich weiterleiten. Oder ein eigenes Dokument aufmachen, mal sehen, was dann mehr Sinn macht.
So als Nebenbemerkung bekomme ich übrigens auch den Eindruck, dass Pratchett einer der Autoren ist, bei dem man noch viel mehr hineindeuten kann, als er selbst beabsichtigt hatte. Und ich wundere mich jetzt noch mehr als früher, warum sich kaum ein Literaturwissenschaftler dafür interessiert, aber meine Theorie ist ja sowieso, dass etwas wissenschaftlich nicht ernst genommen wird, wenn es Spaß macht. Aber ich schweife ab und nehme mir jetzt mal lieber die Umsetzung von verschiedenen Sprechweisen und Verortung von Dialekten vor (ein kleines Kapitel, das schaffe ich selbst bei dieser schwülen Hitze)
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Samstag 24. Juni 2017, 08:19

Die Frage nach Untertützung bezog sich ganz allgemein auf die Anmerkungen zu den Büchern, nicht auf "Witches Abroad"/"Total verhext". Damit bin ich fast fertig.
Aber es gilt immer der bekannte Satz "Vier Augen sehen mehr". Ich meine, wenn dir beim Lesen bzw. Arbeiten etwas auffällt, kann man das sammeln oder hier im Forum bekannt machen. So tun das z. B. Ponder und Max Sinister. Falls du in (ferner?) Zukunft noch Zeit hast und ggf. die eine oder andere knifflige Stelle ansehen könntest, wäre das hilfreich.
Kurzer Nachsatz zu Brandhorsts Übersetzungen: Ich habe für mich privat z. B. Good Omens neu übersetzt. Immer wenn ich an eine Stelle kam, die ich nicht verstand, schlug ich bei Brandhorst nach. Tja, er war ebenfalls damit nicht klargekommen. Entweder "übersetzte" er dann irgendetwas, oder er ließ die Stelle einfach weg. Schau dir nur mal die erste Äußerung von Crawley an: "Ich sagte: Der Typ fiel wie eine bleierne Ente." Hä? Ein Übersetzer sollte für Redewendungen wie "That went down like a lead balloon" entweder Wörterbücher haben oder Muttersprachler kennen. Aber das war dem Verlag damals (ca. 1990) für Fantasy zu teuer.
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Eule » Dienstag 1. August 2017, 17:17

Hallo Lina,
falls du noch an deiner Arbeit sitzt:
Gestern wurden drei Anmerkunglisten hochgeladen - zu finden unter "Bücher".
- Wyrd Systers = Macbest
- Witches Abroad = Total verhext
- Carpe Jugulum = Ruhig Blut

Besonder Witches Abroad könnte noch die ein oder andere Stelle enthalten.
Ansonsten viel Erfolg mit deiner Arbeit!
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Re: Übersetzungsvergleich

Beitragvon Lina Ogg » Samstag 2. September 2017, 09:03

Vielen Dank für die Info, Eule!
Irgendwann setze ich mich auch wieder an die Masterarbeit (zum Glück ist sie noch nicht angemeldet), aber in der Zwischenzeit bin ich gerade kurz davor nach Australien auszuwandern, da bleibt nicht viel Zeit für Pratchett und die Scheibenwelt ;) Glücklicherweise kann man ja inzwischen alle Notizen elektronisch mitnehmen, irgendwann also melde ich mich auch wieder mit der Arbeit, den Anmerkungen und vielleicht der ein oder anderen Frage 8-)
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